Lilla Csikesz: Herr Ministerpräsident, bisher haben auch die Deutschen die Beschlagnahmung russischen Vermögens vollständig abgelehnt. Bisher waren die Deutschen dagegen, jetzt haben sie ihre Haltung geändert…
Man kann aus den Deutschen nicht schlau werden. Niemand erinnert sich mehr daran, was schade ist – ich möchte anmerken, dass vielleicht gerade Sie sich am besten daran erinnern sollten –, aber wir haben mit den Deutschen in einem Boot gesessen und gleiche Positionen eingenommen. Vor vier Jahren brach der Krieg aus. Damals waren zwei Länder lautstark gegen den Krieg: die Deutschen und wir. Die Deutschen sagten zu Beginn, dass sie keine Waffen schicken würden. Helme – wenn Sie sich daran erinnern. Dann gut, Waffen können geschickt werden, aber auf keinen Fall solche, die den Tod verursachen. Von da sind wir dahin gekommen, dass sie jetzt die Falken sind, sie gehen voran. Ich erinnere mich, dass ich neben Bundeskanzler Scholz saß, als die Deutschen sagten, dass es niemals in Frage käme, Sanktionen gegen Gas und Öl aus Russland zu verhängen! Jetzt sind sie die Vorreiter auch dieser Sanktionen. Ich erinnere mich, dass der deutsche Bundeskanzler vor einem oder zwei Monaten sagte, dass jetzt alle hier am Tisch zur Kenntnis nehmen sollten und es nicht mehr wagen sollten, die Frage zu stellen, ob wir jemals die eingefrorenen russischen Vermögenswerte antasten würden, weil dies das europäische Finanzsystem zerstören würde. Heute gehen die Deutschen in dieser Angelegenheit voran. Das heißt, dass man heute ganz einfach Deutschland nicht verstehen kann. Heute sagen sie A, morgen B und übermorgen C. Wir nutzen die Deutschen oft als Wegweiser, weil es eine traditionelle deutsch-ungarische Zusammenarbeit gibt und es oft sinnvoll ist, mit den Deutschen zusammenzuarbeiten, aber in diesem Krieg und in dieser Sanktionsfrage kann man mit den Deutschen ganz einfach nicht zusammenarbeiten, weil sie sich auf einem unberechenbaren Kurs befinden und Schritt für Schritt in den Krieg hineinrutschen. Deutschland steht also heute kurz davor, eine führende Rolle in einem Krieg Europas gegen Russland zu übernehmen. Ich weiß, dass dies unerwartet harte Worte sind, aber ich möchte alle daran erinnern, dass beispielsweise im Ersten Weltkrieg, als der Thronfolger erschossen wurde, alle ganz ruhig auf den Terrassen Kaffee tranken, sowohl in Budapest als auch in Wien und Belgrad. Wir haben also Erfahrung und historisches Wissen darüber, wie ein falscher diplomatischer Schritt oder eine falsche Reaktion innerhalb weniger Augenblicke, innerhalb von ein oder zwei Monaten, zu einem offenen Krieg in Europa führen kann. Und ich sehe jetzt, dass alle das Gefühl haben, der Krieg sei weit weg, es sei eher eine finanzielle Frage, aber nein, die Realität ist, dass sich die Europäische Union tatsächlich auf einen Krieg vorbereitet. Ich sage nicht, dass sie ihn übermorgen auslösen will, das würde ich nicht wagen zu sagen, aber sie hat beschlossen, dass es hier Krieg geben wird, und sie haben auch gesagt, dass es zwischen Russland und Europa Krieg geben wird, etwa um das Jahr 2030, darauf muss man sich vorbereiten. Sie haben auch schon mit den Vorbereitungen begonnen, sie stellen die deutsche Wirtschaft auf Kriegswirtschaft um, sie haben die Wehrpflicht eingeführt. Wie soll ich sagen? – Ich würde alle warnen, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, hier finden echte Kriegsvorbereitungen statt. Und die ungarische Politik muss vernünftig sein und darf nicht erst dann aussteigen und sich heraushalten wollen, wenn es schon zu spät ist, so wie wir es auch aus dem Ersten Weltkrieg nicht geschafft haben. Die Lage ist also äußerst ernst, angespannt und birgt große Risiken – sowohl finanzielle als auch direkte Kriegsrisiken.
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