Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Eigentlich müsste ich jetzt alle Anwesenden einer langen Liste entsprechend namentlich begrüßen, denn alle, die wichtig sind, sind hier. Aber bitte begnügen Sie sich damit, dass ich den Präsidenten der Republik Serbien, meinen Freund Aleksandar Vučić, sowie die Mitglieder der Familie Pásztor besonders begrüße, und alle anderen möge Gott schützen! Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass wir in diesem besonderen Moment auch der führende Mann der serbischen Gemeinschaft in Ungarn unter uns haben. Vielen Dank, dass Du mit uns mitgekommen bist!
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ich komme gerne zu Ihnen. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Erstens gibt es die Stimme des Blutes, zweitens haben Sie mich immer liebevoll und freundlich empfangen, und drittens genieße ich jedes Mal besonders die Tatsache, dass meiner persönlichen Erfahrung nach hier bei Ihnen die literarischste ungarische Sprache im gesamten Karpatenbecken gesprochen wird. Es ist schön, Ihnen zuzuhören, aber jetzt werde ich dennoch selbst sprechen.
Ich möchte Ihnen nämlich davon erzählen, dass es Dinge im Leben gibt, die mit dem Tod nicht enden. Es geht nicht nur darum, dass wir an das ewige Leben glauben, sondern auch darum, dass wir, Serben und Ungarn, zu Recht daran glauben können, dass das Werk von István Pásztor von ewiger Gültigkeit ist. Wir haben guten Grund, so zu denken, denn es gibt Menschen, deren Werk historische Epochen überspannt und verbindet, die nicht nur in der Geschichte leben, sondern sie auch gestalten. István Pásztor war ein solcher Mensch. István Pásztor verband die Serben mit den Ungarn und vereinte die Menschen aus der Vojvodina mit denen aus dem Mutterland. Nicht mit Gewalt, obwohl er auch dazu in der Lage gewesen wäre, nicht mit lautstarker Politik, obwohl er auch laut sprechen konnte, sondern beharrlich, mutig, manchmal hartnäckig, sagen wir mit der Hartnäckigkeit der Tiefebene, die wir Ungarn, aber meiner Meinung nach, lieber Aleksandar, auch ihr Serben gut kennt. Bei diesem Preis geht es in erster Linie um ihn. Keiner von uns hat so viel für die serbisch-ungarischen Beziehungen getan wie er. Er hat uns den Weg gewiesen, er hat eine Brücke zwischen uns gebaut und er hat der ungarischen Gemeinschaft in der Vojvodina die Hoffnung zurückgegeben. Geben wir es zu, ohne ihn stünden wir heute nicht hier. Ohne István Pásztor wäre die Herde auseinandergelaufen. Wir danken ihm, dass er uns zusammengehalten hat und uns ein Erbe hinterlassen hat, auf dem die serbisch-ungarische Allianz heute stabil stehen kann. Ehre sei István Pásztor!
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Als wir uns von ihm verabschiedeten, wussten wir, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist. Sie ist nicht zu Ende, denn diese Geschichte ist wie der Lauf der Donau, die einmal in ihr richtiges Bett gelenkt wurde und dort auch bleibt. Und so ist auch sein Lebenswerk. Wir danken Bálint Pásztor, dass er das, was sein Vater aufgebaut hat, nicht zerfallen ließ. Wir wissen sehr wohl, dass das Erbe sowohl eine Last als auch eine Verantwortung ist. Wir wünschen ihm viel Kraft, vielleicht kann ich im Namen meines Freundes, Präsident Vučić, als gemeinsamen Ratschlag und Wegbegleiter sagen: Nur die Treue, nur die Ehre!
Sehr geehrte Anwesende!
Heute darf ich gemeinsam mit Herrn Präsident Aleksandar Vučić diese Auszeichnung entgegennehmen. Das ist für mich eine Ehre. Wie Sie gehört haben, sind wir uns 2010 zum ersten Mal begegnet. Dazu muss ich hinzufügen, dass wir damals beide in der Opposition waren. Daraus kann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen. In Klammern – da wir nun schon einmal hier zusammen sind – möchte ich anmerken, dass die Historiker einmal schreiben werden, dass ich, als wir noch in der Opposition waren, aber das Gefühl hatten, dass wir in der Lage sein würden, eine nationale Regierung in Budapest zu bilden, noch während der Zeit in der Opposition in drei Bereichen vorbereitende Schritte unternommen habe. Ich bin nach China gereist, ich habe den russischen Präsidenten besucht und mich mit den Serben getroffen, weil ich das Gefühl hatte, dass dies die Zukunft ist, an der wir arbeiten müssen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Als wir uns zum ersten Mal trafen – noch in der Opposition –, konnte keiner von uns ahnen, dass wir einmal hier stehen und eine gemeinsame Arbeit feiern würden, die sowohl für Europa als auch für den Balkan ein Vorbild ist. Serben und Ungarn hatten im Laufe unserer Geschichte noch nie so gute Beziehungen wie heute. Das ist eine Tatsache, die heute niemand mehr bestreiten kann. Dahinter steckt viel Arbeit. Ich danke allen, die daran mitgewirkt haben, für ihre Bemühungen! Unsere Zusammenarbeit ist stark, unsere wirtschaftlichen Beziehungen sind vorbildlich. Die beiden Völker leben heute nicht nebeneinander, sondern miteinander. Wie Sie, die Serben, sagen: „skim si, takav si.” Das Ungarische ist eine überkomplizierte, literarische Sprache, deshalb sagen wir: „madarat tolláról, embert barátjáról” (Die Vögel erkennst du an ihren Federn, die Menschen an ihren Freunden).
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
All dies wäre auch ohne Präsident Vučić nicht möglich. Ihr Präsident ist eine Führungspersönlichkeit, wie es nur wenige gibt, von denen es in der europäischen Politik jedoch mehr geben sollte: Er erkennt, entscheidet und setzt um. Das nennt man Führung, das nennt man einen Führer, alles andere ist Geschwätz. Der Frieden, die Stabilität und die wirtschaftliche Zukunft des Balkans sind dann gesichert, wenn zwischen Serbien und Ungarn ein Vertrauensverhältnis und eine strategische Partnerschaft besteht und bestehen bleibt. Wir danken dir, lieber Aleksandar, dass wir immer auf dich zählen konnten, wir danken dir für die Allianz und wir danken dir für die Freundschaft!
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Was im Alltag Freundschaft ist, was zwischen unseren Völkern eine gute Beziehung ist, nennt man in der internationalen Politik Allianz. Das bedeutet kurz gesagt, dass man sich auf den anderen verlassen kann. Wenn du ein Problem hast, kannst du dich an ihn wenden; wenn ihn das Leben vor Herausforderungen stellt, hilfst du ihm, ohne zu fragen. Genau solche Zeiten erleben wir gerade. Die Bedeutung unserer Zusammenarbeit, liebe Einwohner von Szabadka, geht über die Beziehungen zwischen unseren beiden Völkern hinaus und soll die gesamte Balkanregion, die gesamte Region stabilisieren. Das ungarische und das serbische Volk gehören zu den ältesten und ursprünglichsten Völkern der Region, und die Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft dieser beiden Völker machen uns zu Schlüsselakteuren. Seien wir nicht bescheiden: Ohne die serbisch-ungarische Zusammenarbeit gibt es keine Stabilität in der gesamten Balkanregion. Natürlich müssen wir die gebotene Demut wahren, aber wir müssen uns stets der Bedeutung unserer Zusammenarbeit bewusst sein.
Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Wir erleben heute Veränderungen in der Welt, die die serbisch-ungarischen Beziehungen aufwerten. Die alte Welt, in der wir bisher gelebt haben, zerfällt vor unseren Augen. Es geht längst nicht mehr darum, dass die asiatischen Mächte, genauer gesagt China, an Stärke gewinnen. Das ist eine Tatsache, diese Veränderung ist eine Tatsache, die jeder sieht und die keiner besonderen Erklärung bedarf. Aber neben dem Aufstieg Asiens geht es auch darum, dass der westliche Teil Europas gerade in diesen Tagen seinen verbleibenden Einfluss verliert. Die Amerikaner und Russen verhandeln über die Zukunft, während die Brüsseler im Vorzimmer warten und durch das Schlüsselloch spähen.
Meine Damen und Herren!
Europa schmiedet immer noch Kriegspläne, während alle anderen bereits über Frieden verhandeln. Wer möchte schon mit jemandem Karten spielen, der keine guten Karten auf der Hand hat, aber die Regeln umschreiben will? Das geht nicht einmal in einer Dorfkneipe, meine sehr geehrten Damen und Herren, geschweige denn in der internationalen Diplomatie! Man könnte vielleicht sogar darüber lachen, aber die Sache ist nicht nur beunruhigend, sondern auch gefährlich. Denn die führenden Politiker in Brüssel sind so sehr unter dem Einfluss ihrer eigenen Kriegspropaganda, dass dies die Sicherheit des gesamten Kontinents gefährdet. Deshalb gewinnen Bündnisse wie das zwischen Ungarn und Serbien an Bedeutung. Wir haben – mit der gebotenen Bescheidenheit, aber sagen wir es ruhig – Lebenskraft. Wir wollen uns nicht aufgeben, wir wollen nicht von der Landkarte verschwinden, wir wollen nicht unbedeutend werden. Alleine sind wir jedoch nicht stark genug. Alleine sind wir nur Bäume, zusammen aber sind wir ein Wald. Und der Wald ist es, der auch den Sturm übersteht. Das ist die Philosophie der mitteleuropäischen Zusammenarbeit. Wenn wir zusammenarbeiten, uns zusammenschließen, uns gegenseitig helfen und uns gegenseitig gegen politische Destabilisierungsversuche aus dem Ausland verteidigen, dann werden wir uns in einer schöneren Welt wiederfinden. Die Geschichte, liebe Einwohner von Szabadka, verehrte Familie Pásztor, bietet selten zwei Völkern eine so gute Chance. Wir haben jetzt eine bekommen. Wenn wir es richtig machen, werden unsere Nachkommen auch in hundert Jahren noch den nach István Pásztor benannten Preis verleihen. Ich wünsche mir, dass es so sein wird! Gleichzeitig gebe ich bekannt, dass die ungarische Regierung ihre Unterstützung für die István-Pásztor-Stiftung verdoppeln wird.
Gott schütze Serbien! Gott schütze Ungarn!
More news