Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Präsident Erdoğan!
Ich schaue mich um und sehe, dass wir uns an einem besonderen Ort befinden. Der Herr Präsident hat mich noch nie hierhergebracht, obwohl dies unser 32. Treffen ist. Daher möchte ich mich zunächst einmal im Namen unserer Delegation und in meinem eigenen Namen dafür bedanken, dass der Herr Präsident uns an diesen historischen Ort gebracht hat. Es ist etwas Besonderes, hier zu sein. Ich sage den Pressevertretern, dass wir bei meinen Gesprächen mit dem Präsidenten der Türkei auch historische Ansätze verwenden, und diese historischen Perspektiven sind, wenn wir sie in unsere Arbeit einbeziehen, ein wertvoller Teil dieser Gespräche, und diese historischen Perspektiven würden helfen, die tiefe Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern und den beiden Regierungen zu verstehen.
Ungarn liegt zwar im Westen, steht aber im Westen allein. Im Westen gibt es drei Welten, drei Kulturen: es gibt eine germanische Welt, eine slawische Welt und eine lateinische Welt. Und wir sind die Einzigen, die zu keiner davon gehören, weil wir unsere Verwandten im Osten zurückgelassen haben. Deshalb sind unsere Beziehungen zur türkischen Welt für uns von enormer Bedeutung. Das war schon immer so, mit Ausnahme der letzten hundert Jahre. In den letzten hundert Jahren hat sich die Geschichte so entwickelt, dass die Beziehungen Ungarns zur türkischen Welt schwächer wurden, an Bedeutung verloren und langsam verschwanden. Wir kennen die historischen Erklärungen dafür, aber das Wichtigste ist nicht die Erklärung, sondern dass mir Präsident Erdoğan irgendwann nach 2010 bei einem Treffen diese historische Perspektive aufgezeigt und gesagt hat, dass jetzt neue Zeiten anbrechen, die Welt sich verändern wird und die türkische Welt viel Energie sammeln wird. Später sah ich auch, dass es einen großen Plan gibt, der „Jahrhundert der Türkei” oder so ähnlich heißt, und dann lud er uns auch in die Organisation der türkischen Länder ein, natürlich mit der gebotenen Vorsicht nur als Beobachter, wer weiß, was daraus wird, wenn die Ungarn auftauchen. Und seitdem stärken wir kontinuierlich die türkisch-ungarische Zusammenarbeit, die Zusammenarbeit zwischen der türkischen Welt und Ungarn, deren Flaggschiff die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Ungarn ist. Und wenn ich mich in der Welt um Ungarn umschaue, dann ist die türkische Welt die wirklich lebendige, aufstrebende und immer stärker werdende Welt. Und da wir hier unsere kulturellen Wurzeln und unsere Herkunft haben, möchten wir nun die sich daraus ergebenden Vorteile und Möglichkeiten nutzen, und deshalb waren wir glücklich, dass wir unsere Zusammenarbeit auf die Ebene einer vorrangigen strategischen Zusammenarbeit heben konnten.
Als ich zum ersten Mal mit dem Herrn Präsidenten sprach, betrug der türkisch-ungarische Handelsumsatz 2,5 Milliarden Dollar, jetzt sind es fast 6 Milliarden, und der Herr Präsident hat nun angekündigt, dass er gerne einen Umsatz von 10 Milliarden Dollar erreichen würde, was wir sehr begrüßen.
Für uns ist es wichtig, dass wir gemeinsam mit der Türkei in der aktuellen Russland-Ukraine-Krise zum Lager der Friedensbefürworter gehören. Wir sind der Ansicht, dass es auf dem Schlachtfeld keine Lösung gibt, und wenn es auf dem Schlachtfeld keine Lösung gibt, muss Frieden geschlossen werden. Wir beobachten die Bemühungen von Herrn Präsident Erdoğan mit Anerkennung. Er war der erste erfolgreiche Vermittler in diesem Krieg, und heute haben wir vereinbart, unsere Friedensbemühungen zu koordinieren.
Ich habe die Gelegenheit der heutigen Verhandlungen genutzt, um Herrn Präsident Erdoğan für seine Migrationspolitik zu danken. Wenn die Türkei Europa und unmittelbar an seiner Südgrenze Ungarn nicht schützen würde, wäre das Leben in Europa heute unerträglich, wir würden in einem Meer illegaler Migration versinken. Dass dies heute in Europa nicht der Fall ist, verdanken wir der Türkei. Jedes Jahr werden Hunderttausende illegaler Migranten aufgehalten, und mehr als 3 Millionen Migranten leben hier in der Türkei. Herr Präsident, im Namen Ungarns danken wir Ihnen respektvoll dafür, dass Sie uns helfen, damit diese moderne zivilisatorische Entwicklung uns nicht hinwegfegt. Ungarn wird alles tun, damit diese Bemühungen der Türkei auch in Brüssel, in der Europäischen Union, anerkannt werden.
Wir haben heute über Energiefragen gesprochen. Vielleicht haben Sie hier gehört, dass Ungarn mit den Vereinigten Staaten vereinbart hat, dass die amerikanischen Sanktionen gegen russisches Gas und Öl Ungarn nicht betreffen. Vielleicht haben Sie auch gehört, dass wir letzte Woche mit den Russen vereinbart haben, dass sie weiterhin Öl und Gas liefern werden, was für die Energieversorgung Ungarns von entscheidender Bedeutung ist. Wir haben keine anderen Bezugsquellen, und heute habe ich mit dem Herrn Präsidenten vereinbart, dass Sie, die Türken, die Route sichern, damit wir die Lieferungen von Russland nach Ungarn transportieren können. Ich danke dem Herrn Präsidenten im Namen Ungarns dafür, dass er uns diesen Transportweg garantiert – denken Sie an die Nord Stream-Pipeline –, diese Garantie ist eine ernste Angelegenheit, die auch notwendig sein kann. Allein in diesem Jahr haben wir bisher 7,5 Milliarden Kubikmeter Gas über Sie nach Ungarn transportiert. Ich danke dem Herrn Präsidenten für die Möglichkeit, dass die größten Energieunternehmen beider Länder zusammenarbeiten. Zuletzt haben wir ein türkisches Unternehmen zur Förderung in Ungarn eingeladen, und türkische Unternehmen bauen sogar ein gasbetriebenes Kraftwerk in Ungarn. Auch dafür danken wir dem Herrn Präsidenten!
Nach den heutigen Gesprächen kann ich feststellen, dass wir hinsichtlich der politischen, energetischen, wirtschaftlichen und verteidigungspolitischen Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Ungarn mit den besten Hoffnungen in die Zukunft blicken. Es ist ein großes uns neues Kapitel, wie es auch der Herr Präsident bereits sagte, hat sich die europäische Wirtschaft verändert, die Rüstungsindustrie gewinnt zunehmend an Bedeutung, und zwischen den beiden Ländern wurden Brücken gebaut, die eine Zusammenarbeit im Rüstungsbereich ermöglichen. Deshalb danke ich Herrn Präsident Erdoğan und seiner Regierung im Namen sowohl der ungarischen Regierung als auch des ungarischen Volkes für alles, was sie bisher für uns getan haben, und für die Zusammenarbeit, die sie uns ermöglicht haben.
Gott schütze die Türkei!