Viktor Orbáns Gespräch auf der Antikriegsversammlung der Digitalen Bürgerkreise
Mohács, 13. Dezember 2025
Éva Andor: Das ist immer so, nicht wahr? So werden Sie empfangen, nicht wahr?
Nein, nein, nein. Von Norden nach Süden wird es immer besser.
Um genau zu sein, bei einer Antikriegsversammlung der DPK werden Sie so empfangen. Kann man sich daran gewöhnen? Das mag jetzt eine seltsame Frage sein, aber man wird immer gefragt, ob es leicht oder schwer ist, sich daran zu gewöhnen, wenn man irgendwo nicht mit Liebe empfangen wird. Und das Gegenteil?
Ich lebe ja in Pest. Ich würde zwar lieber in Felcsút leben, aber meine Arbeit bindet mich derzeit an Pest, und dort ist es doch nicht ganz so. Ich gehe in einen Laden oder an einen anderen Ort, und ich wurde noch nie angegriffen, also z.B. nicht körperlich. Das ist eine große Sache. Schauen Sie fern, hören Sie Radio. Im Westen kommt so etwas vor. Man wird nicht beleidigt. Man wird nicht angepöbelt. Manchmal wird man nicht einmal gegrüßt. Es ist schwer, dies von den Entwicklungen der modernen Zivilisation und der Politik zu trennen, und manchmal sehe ich, dass man sich abwendet oder andeutet, dass wir uns nur zufällig am selben Ort befinden. Aber insgesamt muss ich sagen, dass unser Volk in einer viel besseren geistigen Verfassung und auf einem viel höheren Zivilisationsniveau ist, als wir selbst denken. Das echte Leben ist also nicht wie die Realität auf Facebook, so könnte ich es vielleicht formulieren.
Herr Ministerpräsident, vielen Dank, dass Sie gekommen sind!
Entschuldigung, eine weitere wichtige Frage ist, ob man mich so empfängt oder nicht? Das ist auch eine schwierige Frage. Oder sich selbst. Denn schließlich habe ich nichts Besonderes gemacht. Es geht also nicht darum, dass Erika hier aufsteht und etwas singt und uns die Sprache verschlägt, oder? Was also eine Produktion wäre. Ich mache eigentlich nichts anderes, als diese vielleicht mehr als nur Pläne, sondern diese Träume, Pläne und Träume, die die Ungarn seit fast hundert Jahren mit sich tragen, zu verwirklichen. Deshalb glaube ich eigentlich, dass sie, wenn sie mich begrüßen, nicht mich begrüßen, sondern sagen: Wir hoffen immer noch darauf. Und hier brechen sie den Satz ab, weil man ihn auf verschiedene Weise fortsetzen könnte, aber der Kern ist, dass wir immer noch hoffen, weil es nicht so bleiben kann. Das könnte ich auch sagen. Entschuldigen Sie, dass wir so hoch anfangen.
Ich habe damit angefangen oder ich habe danach gefragt.
Oder so tief, dass ich die Sache immer so gesehen habe, dass man natürlich auch regieren muss. Und gut regieren, was so viel bedeutet wie das Leben der Menschen leichter oder reibungsloser zu machen oder ihnen zu helfen, ihr eigenes Leben glücklicher zu gestalten, das nennt man dann eben Regieren. Aber das ist eine fachliche Angelegenheit, ich habe mich eigentlich nicht darauf eingelassen. Ich glaube, dass andere das auch lösen könnten. Mein heimliches Ziel war immer ein anderes. Ich dachte, dass ich das zu Hause gelernt habe, dass ich das gelesen habe oder dass ich das aus allen Anzeichen herausgelesen habe, dass dieses 20. Jahrhundert vermasselt wurde. Also sind wir hier die Verlierer. Und irgendwie ist es auch in unseren Poren, unter unserer Haut, dass wir Verlierer sind. Und ich habe mich dazu verpflichtet, das war mein Plan, dass wir mit Hilfe der Politik nicht nur einfach eine bessere Regierung haben, sondern dass wir unser Schicksal ändern werden: Wir werden von Verlierern zu Gewinnern. Dazu habe ich mich verpflichtet. Und wenn ich Menschen begegne, sehe ich, dass sie genauso denken. Diese Sache des Verlierens oder das Gefühl oder die Gemütsverfassung eines Besiegten lässt sich schon an ganz kleinen Anzeichen ablesen. Wir sind jetzt nicht zusammengekommen, um über unsere Schwächen zu sprechen, aber achten Sie darauf, wie wir sprechen. Wir haben nicht immer so gesprochen. Wir formulieren unsere Sätze so, dass sie immer etwas Unsicheres enthalten. Damit sie nicht keine eindeutige Schärfe haben. Immer ein bisschen… Etwas ist nicht gelungen, ein bisschen ist es nicht gelungen. Entweder ist es gelungen oder nicht. Ich könnte Ihnen viele solche Beispiele nennen. Achten Sie darauf, wenn wir sprechen, Sie und auch ich. Es gibt immer einen halben Satz, den die Söhne anderer Nationen, die als Sieger daraus hervorgegangen sind, nicht so sagen würden. Und es gibt noch viele kleine Anzeichen auch in unseren Gesten. Die Tatsache, dass wir das 20. Jahrhundert verloren haben, Territorium, Menschen, Bevölkerung, Blut, Wirtschaft, Chancen und Zukunft, prägt uns viel tiefer, als wir denken. Und das wird so bleiben, bis wir gemeinsam daran etwas ändern und zum erfolgreichsten Volk Mitteleuropas werden. Und dann wird sich das ändern. Und wenn ich die Politik von meiner Seite aus nicht als Wahl betrachte, was natürlich notwendig ist, sondern als Mission einer Generation – Fidesz ist auch ein bisschen eine Generationenpartei –, dann ist das die Mission dieser Generation. Also war es in der zweiten Hälfte der 80er Jahre zunächst einmal die Aufgabe, die Menschen zu ermutigen, daran zu glauben, dass es hier große Veränderungen geben wird. Mitte der 80er Jahre war das noch nicht so offensichtlich. Ich erinnere mich, als wir Fidesz gründeten, kamen die Mitglieder meiner Familie verzweifelt zu mir, ich wohnte gerade in Szolnok, in der Széchenyi-Siedlung, in einer Plattenbauwohnung, und meine Familie tauchte auf. Im Radio wurde berichtet, dass junge Leute eine regierungsfeindliche Organisation gegründet hatten. Und sie sagten: Was machst du da? Und sie sagten: Du wirst noch so sterben, dass die Sowjets hier sind… Und die Kommunisten kannst du, selbst wenn du es willst, nicht einfach wegwischen. So werden wir leben. Hierin musst du deinen Platz darin finden. Und ich dachte auch damals, dass es die Aufgabe unserer Generation sei, unter den Fittichen des MDF und des SZDSZ, die klüger, größer und erfahrener waren, zu sagen: Nein, das wird bald vorbei sein, und es liegt nur an uns, wann es vorbei ist, reißen wir uns zusammen und machen wir es… Und wir haben es gemacht. Das war in der zweiten Hälfte der 80er Jahre die Mission unserer Generation. Das wurde als radikaler Antikommunismus beschrieben, aber darum geht es nicht, oder besser gesagt, es geht um mehr. Jetzt denke ich, dass es die Mission dieser Generation ist, den Staffelstab weiterzugeben, denn wie Sie sehen, hält das nicht ewig. Wenn die Neuen kommen, dann soll es eine Generation von Politikern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sein, die mit erhobenem Kopf sagen, dass die Vorherigen gesiegt haben, nicht wahr? Das Land beginnt so auszusehen, wie wir es wollen. Es ist das wirtschaftliche Zentrum dieser Region. Es ist das wettbewerbsfähigste Land dieser Region. Hier gibt es Kraft, Möglichkeiten, Entfaltung, die Verwirklichung guter Dinge, persönliche und gemeinschaftliche Pläne. Und jetzt müssen wir siegen. Die Frage ist, wie wir die Chancen der Zukunft ergreifen, nicht, wie wir uns verteidigen. Ich möchte also einmal so aus dem öffentlichen Leben Ungarns ausscheiden, dass das Land so ist und die neue Generation, die an unsere Stelle tritt, so ist.
Ich glaube, in dieser Hoffnung sind wir hier zusammen.
Ihre Antwort, Herr Ministerpräsident, war eigentlich ein Beispiel für etwas, das ich schon oft beobachtet habe, nämlich dass Sie selbst von der einfachsten, kleinsten Frage gerne zu einer viel umfassenderen Perspektive gelangen, den Dingen also Tiefe verleihen, nach Erklärungen suchen und diese den Menschen auch mitteilen. Das machen nicht nur nicht viele, vielleicht sogar nur sehr wenige in ganz Europa oder sogar weltweit, und in Ungarn fällt mir spontan außer Ihnen niemand ein, der das tut. Warum halten Sie es für wichtig, dass wir jetzt wirklich damit begonnen haben, dass Sie hereingekommen sind, dass Sie empfangen wurden und dass Sie dem Publikum tatsächlich – lassen Sie mich dieses Wort verwenden, okay? – eine Vision vermittelt haben?
Schauen Sie, lassen Sie uns zunächst darüber sprechen, warum andere das nicht tun. Nein, nicht deshalb. Sie könnten es auch. Meiner Meinung nach fehlt es ihnen nicht an Verstand, sondern an Mut. Sie sind es nicht gewohnt, am Rand eines Felsens oder einer Schlucht zu spazieren. Ich habe von József Antall gelernt, der sagte, dass es Dinge gibt, an die man immer denken muss, über die man aber niemals sprechen darf. Wenn man jedoch die Hintergründe der Dinge komplex erklären will, sagt man früher oder später Dinge, die man in dieser modernen, von Machtverhältnissen geprägten Welt besser nicht sagen sollte, weil es Ärger gibt. Und Politiker vermeiden Risiken, sie runden lieber ab, sind zurückhaltend, sagen nichts. Deshalb machen es andere nicht. Ich tue es, weil ich daran glaube, dass es wichtig ist, dass nicht das, was ich tue, sondern warum ich es tue, von allen verstanden wird, die sich dafür interessieren. Ich möchte also keine Maßnahme populär machen oder verkaufen oder den Menschen aufzwingen, sondern sie einbeziehen. Wie denken wir denn über Macht? Es gibt unzählige Definitionen, ein ganzes Lexikon voller Definitionen. Was ist Macht? Und jeder, der längere Zeit Macht ausübt, hat seine eigene Interpretation davon. Langsam komme auch ich an den Punkt, dass ich meine eigene Interpretation haben kann. Und meiner Meinung nach bedeutet Macht im ungarischen Verständnis, im ungarischen historischen Kontext die Fähigkeit zum gemeinsamen Handeln. Das hat übrigens biblische Grundlagen, die ich aber nicht genau zitieren werde, weil ich das nicht kann. Nichts ist perfekt. Aber es gibt eine Stelle in der Schrift, wo es heißt, dass er nicht wie die Schriftgelehrten sprach, sondern wie jemand, der Macht hat. Und das bedeutet nicht nur das, was wir auf den ersten Blick denken würden: Er hat Macht von Gott, sondern er hat die Fähigkeit, Menschen zum gemeinsamen Handeln zu bewegen. Und in diesem Sinne ist gute Führung, gute politische Führung nichts anderes, als dass wir gemeinsam davon überzeugt sind, dass hier jetzt etwas Ernstes vor sich geht, das wir es gemeinsam tun werden. Es geht nicht darum, dass die Macht, die Regierung etwas tut und Sie dafür applaudieren oder sie davonjagen, sondern darum, dass es Dinge gibt, von deren Wichtigkeit wir uns gegenseitig überzeugen können, dass wir Energie hineinstecken und sie dann umsetzen. Ich komme aus einer Familie, in der ich der erste bin, der einen Universitätsabschluss hat. Meine Eltern haben als Erwachsene die Hochschule abgeschlossen, daher kann ich nicht sagen, dass ich nicht aus einer Familie von Intellektuellen komme, sondern eher aus einer Familie von Halbintellektuellen. Aber ich bin der Erste, der einen Universitätsabschluss hat. Ich habe jedoch nie so beispielsweise an meine Großeltern gedacht, dass sie keine Intellektuellen wären. Es gibt dieses Wort, das uns verwirrt: Intellektueller. Wir wissen nicht genau, was es bedeutet. Bezeichnet es einen Beruf, eine geistige Tätigkeit oder eine intellektuelle Fähigkeit? Ich bin unter Menschen aufgewachsen, unter meinen eigenen Großeltern, die keine schulisch hochqualifizierte Menschen waren, und einer meiner Großväter war bereits über 40 Jahre alt, als er – niemand weiß genau warum – sein Abitur machte. Es war ihm wichtig. Aber sie waren kluge Menschen in dem Sinne, dass sie nichts einfach so hinnahmen, wie es war, sondern immer fragten: „Aber warum ist das so?“ Das Verständnis der Dinge, und das gilt nicht nur für die Physik und die menschlichen Beziehungen, sondern auch für die Politik – zu verstehen, warum etwas geschieht, ist meiner Meinung nach eine fantastische Lebensfreude, wenn ich selbst etwas begreife, jetzt, wo ich schon alt bin –, warum etwas so ist, wie es ist, was ich vorher nicht erkannt habe, welche Zusammenhänge es gibt, überkommt mich plötzlich ein Gefühl der Freude, und ich bin mir sicher, dass das nichts mit Geschultheit zu tun hat, sondern mit einer Veranlagung. Und im Ungarischen ist diese Betrachtungsweise, die wir aus dem Osten mitbringen, dass wir die Welt beobachten, die Welt verstehen, Zusammenhänge entdecken, auch wenn wir es nicht gut ausdrücken oder beschreiben können, weil wir nicht so geschult sind, aber der Wunsch nach Verständnis ist meiner Meinung nach ein Unterscheidungsmerkmal zwischen den meisten westeuropäischen Völkern und den Ungarn. Jeder Ungar – mit wenigen Ausnahmen, denn solche gibt es – ist im Grunde genommen ein Intellektueller im klassischen Sinne des Wortes, es macht ihm Freude, es ist ihm wichtig zu verstehen, was mit ihm und um ihn herum geschieht. Und da ich für einen Wandel des Schicksals angetreten bin, nicht nur für eine gute Regierungsführung, kommen wir dem gemeinsamen Willen umso näher, je mehr Menschen verstehen, wovon ich spreche, desto näher kommen wir dem Ziel, aus den Verlusten herauszukommen, zu Gewinnern zu werden und gemeinsam Gutes zu schaffen. Also hängt alles mit allem zusammen, auch diese langen und komplizierten Erklärungen, die ich jetzt gebe, mit denen ich eigentlich die weniger geschulten Menschen ermutigen möchte, dass Politik nicht – wie die ungarische Wendung es ausdrückt – die Schalkhaftigkeit von Menschen in Hosen ist, dass es sich nicht um Maßnahmen handelt, sondern um das Verstehen der Welt, um Gedanken, die aus dem Verstehen der Welt entstehen, und um die Umsetzung dieser Gedanken. Deshalb steht sie jedem offen, auch Menschen mit acht Jahren Schulbildung, wenn sie in ihrem Herzen und in ihrem Kopf den Wunsch haben, zu verstehen, was um sie herum geschieht. Die Politik hat also, auch wenn Sie oft nur ihre hässliche Seite sehen, auch eine schöne Seite, diese andere Seite, die es wert ist, wahrgenommen zu werden, sich beispielsweise Bewegungen wie der Bewegung der digitalen Bürgerkreise anzuschließen, wo es Veranstaltungen gibt, bei denen wir zusammenkommen, ich halte auch keine Rede, wie Sie sehen, sondern bin hier, um gemeinsam einige Dinge zu verstehen, die offensichtlich als Nächstes kommen werden. Das ist also der Grund für diese verschlungene, verworrene und manchmal abschweifende Art zu sprechen.
Washington, Moskau, Istanbul, Mohács. Ich glaube, ich habe Ihre letzten drei Wochen geografisch sehr kurz zusammengefasst. Was halten Sie zum Beispiel von dem, was Sie gerade gesagt haben, wie sehr…
Zunächst einmal: Mohács ist das Wichtigste. Beginnen wir damit.
Und darauf bezieht sich die Frage, darauf bezieht sich die Frage.
Entschuldigen Sie, und nicht nur wegen dem, was viele von uns hier denken, wenn ich eine Klammer öffnen darf, denn wenn ich das Schild Mohács sehe, muss ich an meinen Freund Józsi Szekó denken. Und vielleicht habe ich in Washington einen einflussreichen Bekannten. Vielleicht ist der Begriff „Freund” in diesem Beruf nicht zulässig, und vielleicht gibt es auch in Russland Menschen, die nichts Böses wollen. Und vielleicht gibt es auch in Istanbul Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten kann. Aber einen Freund habe ich nur in Mohács, wenn wir diese vier Städte nehmen, leider.
Auch deshalb, aber ich denke, nicht nur deshalb, ist es wichtig, dass die Antikriegsversammlung der digitalen Bürgerkreise jetzt nach Mohács gekommen ist. Wie sehen Sie das zum Beispiel? Warum ist es wichtig, dass wir jetzt hier sind?
Es gibt einen besonderen Grund, den hier natürlich jeder kennt. Diese Stadt oder dieser Ort, diese Region symbolisiert einen Wendepunkt in der ungarischen Geschichte. Hier hat sich die ungarische Geschichte gewendet. Die Geschichte hat hier eine schlimme Wendung genommen: Mohács ist ein großer Friedhof unserer nationalen Größe. Aber es ist auch ein Symbol des Überlebens, denn wenn Mohács die Katastrophe von Mohács überleben konnte, dann können vielleicht auch die anderen Siedlungen überleben. Da steckt aber doch auch Lebenskraft darin. Andererseits gehen Politiker in der Regel in die Großstädte, und auch die Versammlungen finden in den Großstädten statt. Das ist verständlich. Aber ich habe eine wichtige Botschaft, wir haben eine wichtige Botschaft für die Ungarn auf dem Land, für die Bewohner kleiner Städte und sogar für die Dorfbewohner, dass sie nicht weniger wichtig sind, dass sie nicht am Ende der Welt leben, dass sie nicht außen vor sind, sondern dass sie dabei sind, wenn wir schon gebetet haben, dass sie in der Messe dabei sind. Auch sie sind Teil der großen gemeinsamen Geschichte des Landes. Deshalb bedarf es eigentlich keiner Erklärung, warum wir nach Mohács kommen. Andererseits wollte ich mir sicher sein.
Nächste Woche…
Entschuldigung, ich sage das, dass ich mir meiner Sache sicher sein wollte, denn wir haben hier eine alte, ich weiß nicht, ob es Liebe oder nur eine Vernunftehe ist, aber wir passen gut zusammen, denn ich glaube, Mohács hat uns gut getan, und wir haben Mohács auch sehr gut getan. Hier gibt es auch eine kleine politische Meisterleistung, die Sie vielleicht nicht wahrnehmen. Wenn Sie sich die Wahlergebnisse ansehen, wissen Sie, dass wir ein Wahlsystem haben, bei dem man für eine Parteiliste und für einen einzelnen Kandidaten stimmen kann. Selten weichen die Anzahl und der Anteil der Stimmen für die Parteien von denen für die einzelnen Kandidaten ab. Es gibt höchstens eine Abweichung von 1-2 Prozent. Der einzige Ort, an dem dies nicht der Fall ist, ist Mohács. Denn der Abgeordnete Hargitai holt dort sechs bis sieben mehr, was eine besondere Meisterleistung ist, und ich gratuliere János auch dazu.
Ich habe die Städte deshalb so genannt, weil dies deutlich zeigt, wie sehr sich Ihr Leben beschleunigt hat, aber auch das Leben der DPK hat sich beschleunigt, denn jetzt liegen nicht mehr zwei, sondern nur noch eine Woche zwischen den Antikriegsversammlungen, da sich auch die immer schlechteren Nachrichten aus dem Westen beschleunigt haben. Nächste Woche müssen Sie nach Brüssel reisen. Ich nenne Ihnen eine Neuigkeit aus den letzten Tagen: Mit einem Federstrich wurde beschlossen, die beschlagnahmten russischen Vermögenswerte auf unbestimmte Zeit einzufrieren. Dazu haben Sie auf Ihrer Social-Media-Seite geschrieben, dass die Rechtsstaatlichkeit in der Union nicht mehr gegeben ist. Aber wenn die Rechtsstaatlichkeit in der Union tatsächlich nicht mehr gegeben ist, worauf kann man dann noch vertrauen? Sie werden jetzt nach Brüssel reisen. Wie kann man rechtmäßig gewinnen, wenn der Partner, die andere Seite, sich an keine Regeln hält?
Gut, aber ich habe am nationalen Runden Tisch mit den Kommunisten angefangen. Entschuldigung, hier… Wir haben eine gute Schule. Und auch das haben wir irgendwie gelöst. Wir dachten nicht, dass auf der anderen Seite faire Spieler sitzen, sie haben mit gezinkten Karten gespielt, sie hatten mehr davon, und es gab alle mögliche Probleme. Ich gehe eigentlich zum Raufen. So ist dies. Wenn Gentlemen die Spielregeln vorlesen und dann der Klügere gewinnt, so etwas gibt es, diese Ära ist in der Geschichte der Europäischen Union vorbei. Und die von Ihnen erwähnte Entscheidung, dass man unter Umgehung, der Vergewaltigung Ungarns, unter Missachtung der europäischen Rechtsvorschriften, auf offener Straße, am helllichten Tag, unter Umgehung Ungarns auf das russische Vermögen zugreift, schmerzt uns natürlich in erster Linie deshalb, weil damit die Illusion vorbei ist, dass in Brüssel die Rechtsstaatlichkeit herrscht. Sagen wir mal so: Die rechtliche Auslegung lag auch schon bisher in ihren Händen, wir waren also im Nachteil, aber man konnte die Gründungsurkunden nicht einfach schließen und dann beiseite werfen, was jetzt geschieht, aber diese Entscheidung ist aus einer anderen Perspektive, aus einer Perspektive, die über die ungarische Sichtweise hinausgeht, äußerst wichtig. Es ist eine Kriegserklärung. Das Anfassen des russischen Vermögens, des eingefrorenen russischen Vermögens, dessen Aneignung ist eine Kriegserklärung. Ich habe noch nie erlebt, dass die Wegnahme von 200 bis 300 Milliarden Euro von einem Land keine Gegenmaßnahmen ausgelöst hätte. So etwas gibt es nicht! Wenn man zulässt, dass einem das kleine Geld weggenommen wird, wird das ganze Land ausgeplündert. Das darf man nicht zulassen. Wir befinden uns also in einer sehr ernsten Lage, und Sie haben zweifellos Recht mit Ihrer Beobachtung, dass wir jetzt fast jede Woche Antikriegsversammlungen abhalten, aber keine davon ist langweilig und keine gleicht der vorherigen, weil immer etwas passiert – die Lage und die Umstände verschlechtern sich mit solcher Geschwindigkeit. Ich möchte ein paar Worte zum russischen Vermögen sagen, wenn Sie gestatten, wenn ich schon zuvor davon gesprochen habe, dass wir komplizierte Dinge verstehen müssen. Denn Sie hören sicher viel darüber, aber Sie wissen vielleicht nicht, was es ist. In Friedenszeiten ist es international üblich, dass jedes Land Devisenreserven hat. Das bedeutet, dass ich mein eigenes Geld habe, sagen wir, die Ungarn, wir haben den Forint, aber der Forint wird ja nicht akzeptiert, wenn wir damit in anderen Ländern bezahlen wollen, deshalb tauschen wir einen Teil unseres Vermögens in Währungen um, die akzeptiert werden, in erster Linie in Dollar oder Euro, und wenn unser Geld an Wert verliert, können wir den Forint mit komplizierten Operationen schützen. Das nennen wir Devisenreserven. Jedes Land hat solche Reserven. Und gemäß den internationalen Finanzvorschriften darf man diese in der Regel, ja sogar zwingend, nicht im eigenen Land halten. Die Devisenreserven müssen also immer in einem anderen sicheren Land gehalten werden. Vor allem, damit die Gläubiger, wenn sie sehen, dass die ungarische oder eine andere Wirtschaft zusammenbricht und sie an ihr Geld nicht mehr herankommen, ihre Forderungen aus den Devisenreserven begleichen können. Deshalb müssen sie immer außerhalb des Landes aufbewahrt werden. Eine Ausnahme bildet Gold, das eine besondere Form der Devisenreserven darstellt und das wir im Land aufbewahren, aber lassen wir das jetzt einmal beiseite. Das ist also die internationale Praxis. Wir Ungarn haben übrigens auch welche in Belgien, genau dort, wo die Russen sie haben. Wir haben Devisenreserven, und wenn man daran herumspielt, müssen auch wir Ungarn darüber nachdenken, ob unsere Devisenreserven am richtigen Ort sind. Denn wenn man irgendwo an die Devisenreserven eines Landes herankommen kann und meine auch dort sind, dann ist es besser, sie an einen sichereren Ort zu bringen. Nun, das sind also die Devisenreserven. Der Krieg ist ausgebrochen. Die Russen haben die Ukraine so angegriffen, dass sie dabei versucht haben, den Zeitpunkt des Angriffs geheim zu halten. Deshalb haben sie die Devisenreserven nicht nach Hause gebracht. Als sie die Ukrainer angegriffen haben, war dieses Geld dort und blieb dort. Und diese wurden von der Europäischen Union eingefroren. Der größte Teil davon befindet sich in Belgien, aber auch in anderen Ländern, sogar in Amerika und Japan ein kleiner Teil, wenn ich mich recht erinnere, befindet sich der Großteil, mehr als 200 Milliarden Euro, in Europa, vor allem in Belgien. Ich zitiere hier das Beispiel des Zweiten Weltkriegs, wenn ich mich recht an meinen Geschichtsunterricht erinnere, gab es so etwas auch, aber selbst während des Zweiten Weltkriegs wurden die deutschen Devisenreserven im Ausland nicht beschlagnahmt. Es ist also äußerst ungewöhnlich und außergewöhnlich, auf das Vermögen eines anderen Landes im Ausland zuzugreifen, das auf der Grundlage eines Vertrags dort angelegt wurde. Denn es gibt einen Vertrag, auf dessen Grundlage die Belgier dieses Vermögen sicher verwahren müssen, und wenn der Eigentümer – in diesem Fall die Russen oder Ungarn – es verlangt, muss es hierhin oder dorthin überwiesen werden. Und wenn man das verhindert, verstößt man gegen das oberste Prinzip des gesamten internationalen Finanzsystems, dass es bestimmte, zugelassene Wirtschaftsunternehmen und Finanzinstitute gibt, die solche Geschäfte überhaupt tätigen dürfen, wodurch die Sicherheit der Devisenreserven von der arabischen Welt bis hin zu Russland gewährleistet wird. Deshalb gibt es diese heftige Debatte. Denn jeder spürt, dass, wenn man an dieses Geld herantritt, es leicht passieren kann, dass andere Länder, beispielsweise die arabischen, ihr Geld nicht mehr in Euro halten werden. Wenn die Russen den damit verbundenen Rechtsstreit gewinnen, und wir können zu 100 Prozent sicher sein, dass die Russen einen nach einem solchen Schritt eingeleiteten Rechtsstreit gewinnen werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand dieses Geld zurückzahlen muss. Und das muss das Unternehmen zurückzahlen, das sich zu seiner Verwahrung verpflichtet hat. Es handelt sich um ein belgisches Unternehmen. Das ist ein so großes Geschäft, ein so großer Deal, eine so große Summe, auch wegen der anderen über jene Russlands hinausgehenden Währungsreserven, dass dies die belgische Wirtschaft zu Fall bringen könnte. Deshalb hat sich, ich weiß nicht, ob Sie es bemerkt haben, wie mutig der belgische Ministerpräsident geworden ist. Ich bestelle mir nur noch einen Kaffee und lehne mich zurück, ich kann mich also nicht so hart über die Europäische Union und diesen Schritt äußern wie der belgische Ministerpräsident. Der Grund dafür ist, dass er spürt, dass seine eigene Volkswirtschaft in unmittelbarer Gefahr geraten könnte, wenn die Union diesen Schritt unternimmt. Das ist die Geschichte der Devisenreserven. Natürlich ist es schwer vorstellbar, dass, während die Russen mit den Amerikanern verhandeln und mehr als 200 Milliarden Euro auf dem Tisch liegen, der gut ausgebildete russische Präsident, der über das entsprechende Wissen verfügt, der noch aus der alten Welt stammt und einer der besten Geschäftsleute der Welt ist, so verhandeln, dass 200 Milliarden Euro herrenlos herumliegen und dort bleiben. Damit möchte ich sagen, dass eine der wichtigsten Fragen der russisch-amerikanischen Verhandlungen ist, was mit diesem Geld geschehen soll. Tatsächlich haben sich die Russen und Amerikaner bereits darauf geeinigt, was mit diesem Geld geschehen soll. Dazu gibt es veröffentlichte Dokumente, ich sage das also nicht, weil ich durch das Schlüsselloch spähen würde, sondern weil es schriftliche Dokumente gibt. Und hierbei haben die Europäer keine Rolle zugewiesen bekommen. Dieses Geld ist also für die Europäer entweder verfügbar oder nicht. Da die Russen die Eigentümer des Geldes sind, können sie als Eigentümer mit den Amerikanern rechtmäßig vereinbaren, was mit ihrem Geld geschehen soll. Die Europäer können es nur unrechtmäßig wegnehmen. Hier ist also ein äußerst komplizierter Interessenkonflikt entstanden. Außerdem halten die Europäer nicht zufällig an diesem Geldbetrag fest, denn damit haben sie – entschuldigen Sie bitte den Ausdruck – ihre eigenen Bürger von Spanien bis Dänemark jahrelang damit gefüttert, dass sie sich keine Sorgen machen müssen, liebe Spanier und Dänen, Menschen wie Sie hier auf der Tribüne, die nur am Rande mit Politik zu tun haben, machen Sie sich keine Sorgen, denn die Unterstützung der Ukraine und der Krieg in der Ukraine werden uns Europäern am Ende keinen Cent kosten. Also unterstützt ruhig den Krieg, denn ich werde das Geld nicht aus euren Taschen nehmen, sondern wir werden den Krieg aus den eingefrorenen russischen Vermögenswerten finanzieren. Und die Europäer haben das geglaubt. Wir Ungarn haben das natürlich nicht geglaubt. Wir haben so etwas schon einmal gesehen. Kluge Menschen glauben so etwas nicht, aber die Westler sind nicht wie wir, sie sind nicht so gut ausgebildet in dem Fach „historische Sturmschäden”, und deshalb glauben sie das, sie glauben solche Dinge. Und jetzt zeigt sich, wie das Sprichwort es ausdrückt: ob der Affe ins Wasser springt. Und jetzt müssen die europäischen Staats- und Regierungschefs zugeben, dass ihr den Krieg bezahlen werdet! Bisher haben wir gesagt, dass wir das nicht tun werden, aber wenn dieses Geld nicht da ist, werdet ihr den Krieg bezahlen. Von Dänemark bis Portugal! Und nicht nur jetzt werdet ihr ihn bezahlen, sondern auch eure Enkelkinder, denn wir haben Kredite aufgenommen, die wir nicht zurückzahlen können, und auch die Zinsen dafür werden eure Kinder bezahlen, das wird sich jetzt herausstellen. Deshalb hat die gesamte europäische Elite, vom deutschen Bundeskanzler bis zum slowenischen Ministerpräsidenten, Angst. Denn die Wahrheit wird ans Licht kommen. Und wenn sich das herausstellt und das Geld tatsächlich nicht da ist und man tatsächlich nicht damit bezahlen kann, sondern es aus der eigenen Tasche bezahlen muss, dann wird es zu einem Bauernaufstand kommen. Es wird zu einem Bauernaufstand kommen! Überall in Europa! Und alle, die für den Krieg argumentiert haben, werden stürzen. Und dann sind sie noch glimpflich davongekommen, dass sie ihre eigene Nation in ein solches Abenteuer gestürzt haben. Entschuldigen Sie, dass ich mich so lang gefasst habe, aber das ist das Problem mit dem russischen Vermögen.
Aber es sieht ganz so aus, als reiche es nicht aus, dieses Geld zu sperren. Auch sie glauben nicht, dass das ausreicht. In Ungarn hat sich beispielsweise herausgestellt, dass Brüssel eindeutig von der Tisza-Partei vertreten wird, da praktisch jeder Punkt ihres Sparpakets in einem Brüsseler Dokument zu finden ist. Und es ist auch kein Geheimnis mehr, dass dieses Geld quasi zur Finanzierung des Krieges an die Ukraine gehen würde.
Vor zwei Wochen, vor zehn Tagen, habe ich einen Brief von Frau Ursula erhalten. In dieser Region leben ja Deutsche, daher muss ich mit meinen kritischen Äußerungen gegenüber den Deutschen vorsichtig sein. Aber sie sind doch auf eine solche Weise deutsch, dass sie schon ein Teil von uns sind, oder? Sie sind also eigentlich schon wir. Aber eigentlich sind es drei Deutsche, die dort das Sagen haben, und meiner Meinung nach führen sie uns in eine Sackgasse oder bringen die Union an den Rand des Abgrunds. Der deutsche Bundeskanzler, der größte Fraktionsvorsitzende im Europäischen Parlament, Herr Weber, und Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Kommission. Das ist eine deutsche Angelegenheit. Und sie denken, dass es entweder russisches Geld gibt oder nicht, und dass der Krieg entweder endet oder nicht, und wenn er nicht endet, dann wird noch mehr Geld gebraucht, und dieses Geld muss irgendwie in die Ukraine geschickt werden, ohne dass es zu Hause zu politischen Unruhen führt. Deshalb sagen sie nie, dass wir das Geld, das an die Ukraine geht, zusammenlegen sollen. Ich sage immer: Leute, wenn wir einen Krieg finanzieren wollen, dann holen wir die Papiere und Stifte heraus und rechnen aus, wie viel auf die Deutschen und die Belgier entfällt. Schauen wir mal, ob ihr das aufbringen könnt. Oder ob ihr das aufbringen wollt? Aber das tun sie nicht, sondern sie sagen, dass sie etwas Geld sammeln und dieses als Sicherheit verwenden, um Kredite aufzunehmen. Und die Union selbst ist auf den internationalen Finanzmärkten kreditwürdig, es gibt eine Tilgungsaussetzung, die ersten fünf Jahre, eine Schonfrist, oder wie nennt man das? Danach muss man mit der Rückzahlung beginnen, zuerst die Zinsen, dann das Kapital, und schon geraten sie in genau die Situation, die wir Ungarn – deshalb läuten die Alarmglocken – unter dem Sozialismus erlebt haben. Das haben Kádár und seine Leute gemacht, sie sagten, es werde schon gut gehen. Es stimmt zwar, dass die Wirtschaft nicht gut läuft, aber mit einem kleinen Kredit helfen wir uns selbst aus der Patsche. Und am Ende ist alles zusammengebrochen! Ich möchte also nur sagen, dass es das russische Geld gibt und dass es die andere Möglichkeit gibt, Geld von den Mitgliedstaaten zu sammeln, das als Grundlage für einen größeren Kredit dient. Und sie wollen auch von den Mitgliedstaaten Geld sammeln, die Präsidentin der Kommission fordert übrigens 135 Milliarden Euro von den 27 Mitgliedstaaten, was ich, da die Ungarn doch ein ritterliches Volk sind, in einem sehr höflichen, aber dennoch eindringlichen Tonfall geschrieben und gesagt habe, dass wir uns bedanken, aber darauf nicht eingehen werden. Ein großartiges Angebot, aber wir möchten daran nicht teilnehmen, sondern überlassen diese großartige Gelegenheit lieber den anderen. Nun, so sieht es aus, und man muss sich darauf einstellen, dass Brüssel eigentlich versucht, die dritte ungarische Wahl zu gewinnen. So war es auch 2018, so war es auch 2022, und so wird es auch 2026 sein. Warum gerade ab 2018? Das ist sehr interessant. Bis dahin gab es zwar auch schon Diskussionen zwischen uns, aber Brüssel betrachtete die Ungarn nicht als ernsthafte Bedrohung. Ein Land mit 10 Millionen Einwohnern, Deutschland hat 80-84 Millionen, Italien 60, Frankreich 64, die Niederlande fast 20, Ungarn 10 Millionen, das BIP ist nicht groß, das Militär… Einmal fragte mich ein türkischer Generalstabschef während meiner ersten Amtszeit, wie viele Soldaten Ungarn habe, und ich antwortete, so viele, wie Sie am Wochenende auf der Flucht haben. Das ist glücklicherweise nicht mehr wahr, aber damals war es so. Heute stehen wir doch etwas besser da, aber Europa fürchtet uns heute nicht wegen unserer Armee. „Rette uns, Herr, vor den Pfeilen der Ungarn.“ Das ist eine alte Geschichte, die man nicht in den heutigen Nachrichten sehen kann. Nun, damit will ich nur sagen, dass Ungarn 2016 gefährlich geworden ist. 2016, bei der Migration. Denn damals hat Europa, mit Ausnahme von uns, einstimmig den Standpunkt vertreten, dass Migration gut ist und nicht nur nicht verhindert werden muss, sondern – wie die deutsche Bundeskanzlerin sagte – dass wir das schaffen werden. Mehr noch, damit lassen sich sogar demografische und andere Probleme beheben, und insgesamt werden wir sogar gut davonkommen. Wir haben auch damals gesagt, dass dies eine völlige Fehleinschätzung der Lage ist. Ich habe bereits mehrfach an anderer Stelle gesagt, dass es glücklicherweise Ungarn gab, die ihren Verstand einsetzten, an die Grenze gingen, sich die Lage vor Ort ansahen und einen Zaun sowie Grenzschutz forderten. Und natürlich kam mir sofort die Wahrheit der Engländer in den Sinn, die sagen, dass ein Land ohne Grenzen wie ein Ei ohne Schale ist, was auch stimmt. Und wir haben einen anderen Weg eingeschlagen. Und wir sagten, dass die Migration eine Gefahr ist. Das ist nicht gut, man muss sie nicht managen, man muss sie nicht lösen, sondern man muss sie abwehren, man darf sie nicht hereinlassen. Außerdem ist es wie mit Zahnpasta. Wenn man sie einmal aus der Tube gedrückt hat, kann man sie nicht mehr zurückdrücken. Wenn sie also einmal hereingekommen sind, ist es vorbei, sehen Sie sich das an. Man kann nicht Millionen von Menschen in Waggons verladen. Man kann ein oder zwei Dutzend in ein Flugzeug setzen, das sieht auf dem Foto gut aus. Aber dort sind Millionen hereingekommen. Wie soll man sie von dort wegbringen? Ich sehe keine Möglichkeit, das ist nicht meine Aufgabe, aber ich sehe keine Möglichkeit, wie man sie loswerden könnte. Auch sie haben nur eine Idee: Schicken wir sie hierher. Darum geht es im Migrationspakt. Hier sind es schon zu viele, schicken wir sie zum Beispiel zu den Ungarn hinüber. Im Migrationspakt steht, Tisza unterstützt den Migrationspakt, DK unterstützt den Migrationspakt, darin steht, dass wir ständig Unterkünfte für 30.000 Migranten bereitstellen müssen und immer so viele aufnehmen müssen, wie das Zentrum in Brüssel hierher schickt. Das sind mehrere Hundert pro Jahr! Dabei haben wir jahrelang dafür gearbeitet und in Brüssel ungerechte Nachteile erlitten, weil wir all das abgelehnt haben. Klammer zu. Ich möchte also nur sagen, dass wir seit der Migrationskrise 2015-16 für die anderen Länder der Union gefährlich geworden sind, weil wir der lebende Beweis dafür sind, dass man sein Land schützen kann, dass man sein Land auch in Zukunft vor Migranten schützen kann, und das ungarische Beispiel zeigt sogar, dass ihr das auch in der Vergangenheit hättet tun müssen, es aber nicht getan habt. Und alle Probleme, die durch die Migration entstehen, Anschläge, Kriminalität, soziale Probleme, all das gibt es, weil ihr falsche Entscheidungen getroffen habt, während die Ungarn die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Wir wollten diese Rolle nicht, dass man uns als abscheuliches Beispiel vorführt, das war nicht geplant. Aber so ist es gekommen, wir sind das lebende Beispiel dafür, dass es auch anders hätte laufen können. Dass Europa christlich hätte bleiben können, dass Europa ein von Europäern bewohntes Europa hätte bleiben können. Das ist nicht geschehen, weil die politischen Führer Fehler gemacht haben. Und seitdem muss die Regierung in Ungarn, die dieses Beispiel geschaffen hat und es täglich vorführt, mit dem sie jeden Tag konfrontiert werden, von hier vertrieben und durch eine Regierung ersetzt werden, die Ungarn zu einem Land wie Deutschland, Österreich oder Frankreich macht, Migranten aufnimmt und damit den Dorn aus dem Fuß entfernt. Deshalb wollten sie uns 2018 und 2022 stürzen, und deshalb wollen sie uns – neben anderen Gründen, aber vor allem deshalb – 2026 stürzen, und die Tisza-Partei ist die Verkörperung dieser Absicht. Ich sehe keinen Unterschied zwischen den letzten vier Jahren und der jetzigen Situation. Der derzeitige Führer der Opposition ist für mich wie Márki-Zay, nicht wahr? Ist er nicht derselbe? Sie haben ihn irgendwoher hervorgeholt, aus dem Hut gezaubert, hingesetzt, und jetzt sagt er alles Mögliche. Márki-Zay hat sogar noch einen Vorteil, er ist zumindest Bürgermeister, er hat etwas getan, ich glaube, vielleicht im Interesse der Einheimischen. Aber egal, so ist nun einmal die Situation. Und das steht bei dieser Wahl auf dem Spiel. Damals, 2018, war noch keine Rede von Krieg, der kommt jetzt. Das kommt noch zum Thema Migration hinzu. Bevor Sie jetzt denken, entschuldigen Sie, noch ein Satz, wenn ich das noch dazu sagen darf, es werden zwei daraus, dass die Migration, von der wir in der Vergangenheit sprechen, damit wir uns nichts vormachen, nicht der Vergangenheit angehört. Die Migration ist das größte Thema der Zukunft, sie ist noch nicht abgeschlossen. Wir haben uns noch nicht geschützt, sondern verteidigen uns ständig. Und Afrika hat sich noch nicht einmal bewegt. Und wenn Sie sich die Zahlen ansehen und diese seltsam denkenden westlichen Führer, wenn Afrika sich bewegt, werden wir unter viel größerem Druck stehen als bisher. Wir denken auch nicht an die Türkei als Lebensversicherung. Aber die Türkei ist die Lebensversicherung der Ungarn. Herr Präsident Erdoğan ist unsere Lebensversicherung. In der Türkei gibt es heute 3 Millionen Flüchtlinge, die die Türken nicht aus der Türkei herauslassen, obwohl sie kommen würden, sie würden über den Balkan nach Europa kommen. Und jedes Jahr werden mehr als hunderttausend von ihnen aufgehalten. Und wenn sich dieser Kurs einmal ändert, wenn es in der Türkei zu Veränderungen kommt, dann könnten nicht nur aus Afrika, sondern auch aus der Türkei Millionen von Migranten auf uns zustürmen, das heißt auf den Kontinent, und wir müssen uns dagegen schützen können. Das ist keine einfache Aufgabe. Die wichtigste Aufgabe der nächsten Generation wird es sein, hierfür einen Weg zu finden. Migration ist keine Vergangenheit. Migration ist die wichtigste Frage der Zukunft, wenn wir den Krieg überlebt haben.
Ich bin mir übrigens sicher, Herr Ministerpräsident, dass hier im Publikum sicherlich einige sitzen, die sich genau daran erinnern, wie es hier vor zehn Jahren war. Als also Zehntausende von Migranten hierher strömten und die Busse kamen, in die sie einstiegen, hing es bis zum letzten Moment am seidenen Faden, ob die Ordnung aufrechterhalten werden konnte, bis der Zaun gebaut wurde. Sie sagen, dass die eine Hälfte des Pakts tatsächlich darin besteht, dass wir sie aufnehmen müssen, und die andere Hälfte darin, dass wir entweder sehr, sehr viel bezahlen müssen. Sie sagten, auf keinen Fall! Können wir als EU-Mitgliedstaat, für den natürlich ihre Entscheidungen gültig sind, und verschärft durch das, worüber wir bereits gesprochen haben, dass sie sich nicht an die Regeln halten, wie können wir dann davonkommen?
Ja, aber wir sind doch nicht allein. Ich möchte noch hinzufügen, ohne die schwierige Situation hier in den neunziger Jahren zu unterschätzen, denn es war schwer, ich erinnere mich auch daran. Aber das war etwas anderes als das, was uns erwarten würde, wenn Migranten aus Syrien oder Nigeria hierherkämen. Denn diejenigen, die hier waren, waren zumindest unsere Nachbarn. Das war ein Problem, ein großes Problem. Ansonsten haben Sie sich heldenhaft behauptet, daher denke ich, dass wir in der gesamten Region in Bezug auf Menschlichkeit hervorragend abgeschnitten haben, das sagen auch diejenigen, die hierhergekommen sind, und dann nach Hause zurückgekehrt sind, ein Teil von ihnen ist hier geblieben, und wenn ich das richtig sehe, haben sie sich gut eingelebt, und wir leben ohne Konflikte zusammen, was ebenfalls ermutigend für die Zukunft ist, aber diejenigen, die sich jetzt vorbereiten, sind nicht wie diejenigen, die hierhergekommen sind. Ich sage nicht, dass die Serben oder Kroaten oder Bosnier einfach sind. Es sind charakterstarke Völker, um es so auszudrücken, aber sie kommen immerhin aus einem Kulturkreis. Sogar ein bisschen die Bosnier, die zwar Muslime sind, aber seit ich weiß nicht wie vielen Jahrhunderten in einem europäischen Umfeld leben. Diejenigen, die sich vorbereiten, wissen nichts über unsere Welt. Sie wissen nicht, welche gesellschaftlichen Lehren die Grundlage unserer Welt bilden. Sie respektieren sie nicht nur nicht, sie wollen es auch nicht. Sie wissen gar nicht, wie das Leben hier organisiert ist. Im Kopf eines Menschen gibt es in der Regel eine Lebensordnung, die er von Kindheit an bis ins Erwachsenenalter aus seiner eigenen Kultur gelernt hat. Das Leben ist so, man muss so über Frauen denken, man muss so über die Ehe denken, man muss so über Kinder, alte Menschen, Nachbarn, Streit, Rache, Geld, Geschäfte, Zusammenarbeit, Krieg denken, jeder hat eine Lehre. Auch in unseren Köpfen gibt es eine Lehre, die grundsätzlich unabhängig davon ist, dass viele Menschen in Europa und Ungarn ihre persönliche Beziehung zu Gott verloren haben, und dennoch sind diese Lehren immer noch da. Deshalb ist es meiner Meinung nach auch für Nichtgläubige nicht fremd, an einem Gebet wie dem heutigen teilzunehmen. Das ist nichts Fremdes. Es gehört schließlich zu uns. Und die Aufrechterhaltung oder das Finden einer persönlichen Beziehung zu Gott ist eine äußerst komplizierte und schwierige Sache. Wir sind heute nicht zusammengekommen, um darüber zu sprechen, das ist auch nicht meine Aufgabe, aber dennoch befinden wir uns in einem christlichen Kulturkreis, basierend auf denselben Lehren. Was ist gut, was ist schlecht. Diejenigen, die hierherkommen, tun das nicht. Deshalb behandeln sie Frauen so, wie sie es tun. Deshalb verhalten sie sich so, wie sie sich verhalten. Deshalb denken sie anders über Arbeit und so weiter und so fort. Und ich denke, wir haben es nicht nötig, uns selbst den Ärger hierher an den eigenen Hals zu holen. Zweifellos gibt es viele Menschen, die aus Ländern kommen, in denen sie Probleme haben, aber man muss ihnen die Hilfe dorthin bringen und darf nicht die Probleme hierherholen. Es wäre nicht die Aufgabe Europas gewesen, insbesondere der reichen Länder, sie hereinzulassen, und jetzt nicht weiß, was es mit ihnen anfangen soll, obwohl es viele zehn oder hundert Milliarden Euro verbrannt hat, sondern diese Summe hätte man dorthin bringen müssen, wo Armut und Unruhe und Krieg herrschen, dort hätte man Ordnung schaffen und helfen müssen, ein lebenswertes Leben aufzubauen. Aber wir haben das Geld nicht dafür ausgegeben, sondern wir haben die Probleme hierhergebracht und keine Hilfe dorthin. Wir tragen dafür keine Verantwortung, unsere Aufgabe ist es nur, uns als Insel zu schützen. Wie groß ist die Insel? Und damit höre ich wirklich auf. Wie groß ist die Insel? Es gibt Ungarn. Es gibt die Serben. Die kennen Sie doch, oder? Die machen keine Witze. Das ist also eine andere Körperhaltung, um es so auszudrücken. Hier sind die Slowaken, die nichts von Migranten hören wollen, und es gibt keinen einzigen bei ihnen. Da sind die Tschechen. Knödel, Bier, das ist eine andere Welt, nicht wie Tschewaptschitschi. Dort sind die Dinge also komplizierter, aber der neue Ministerpräsident Babiš, der am 9. dieses Monats sein Amt angetreten hat, denkt über Migration in etwa so wie wir, also haben wir dort noch einen Partner. Und dann sind da noch die Polen, die politisch gesehen gerade mit uns im Clinch – wie man auf Ungarisch sagt: in einer Bulette sind, wenn wir schon von Tschewaptschitschi gesprochen haben –, jetzt liegen wir gerade mit ihnen im Clinch, aber insgesamt sind wir mit den Polen doch auf einer Wellenlänge, auch in Sachen Migration, und das wird auch so bleiben. Ich möchte also sagen, dass wir nicht ganz allein sind, dass es noch andere Länder gibt, die ebenfalls migrationsfrei sind, dass wir zusammenarbeiten und dass wir diese große Insel namens Mitteleuropa verteidigen müssen, und dann auch die nächste Generation. Das ist nicht unmöglich. Alleine wäre es schwieriger, aber so ist es durchaus möglich.
Herr Ministerpräsident, ich weiß nicht, ob Sie wissen, wie viele Tage genau noch bis zur Wahl verbleiben.
Genau?
Genau 120.
400 Tage vor der Wahl haben wir den Club der Kämpfer gegründet. Das ist eine starke politische Gemeinschaft, später haben wir dann die digitalen Bürgerkreise gegründet, eine zivile Bewegung, und ich schlage vor, dass das auch so bleibt, dass wir sie getrennt halten und nicht mit Parteifragen vermischen. Und das war unser Plan – es sind noch 120 Tage –, vielleicht schaffen wir es sogar…
Ist das viel oder wenig?
Wenig, vielleicht schaffen wir es, dies zu beenden. Was war unser Plan? Ich würde gerne ein paar Worte dazu sagen, wenn Sie gestatten. Entschuldigung. Kurz gesagt. Wie kam es zu der Idee des DPK (Digitaler Bürgerkreis)? Bei den digitalen Bürgerkreisen habe ich festgestellt, dass es im digitalen Raum negative Dinge gibt. Und unsere Welt, die konservativen, nationalen Christen, hält sich lieber von all dem fern. Denn erstens ist da der grobe Ton, diese Anonymität, dass man etwas schreiben kann, ohne sich jemanden dahinter vorstellen zu müssen, ohne Verantwortung für das zu übernehmen, was man sagt. Und das Ganze hat etwas Nachlässiges, nicht wahr? Also so eine Art von Überheblichkeit, ich will die Pester nicht verletzen, aber es gibt so etwas … Also das. Ich weiß alles besser. Du sprichst zu mir. Okay, gut. Es gibt also diese Nachlässigkeit, diese Grobheit, diese Unprofessionalität, und vielleicht würde ich sogar sagen, diese Seelenlosigkeit. Aber es ist auch passiert, dass dies der neue Marktplatz geworden ist. Die Menschen hier reden also mehr miteinander oder reagieren mehr aufeinander als im realen Leben. Es war nicht mein Ziel, dass auch die Rechte auch im digitalen Raum stark sein sollte, das sollte nur eine Folge sein. Ich habe eher darüber nachgedacht, warum wir akzeptieren, dass dieser digitale Raum so sein muss, wie er ist. Warum sollte er das? Es ist nur ein Werkzeug. Vielleicht haben wir Angst davor, weil es uns kulturell fremd ist, weil es Veränderungen mit sich bringt, weil die Linken sich immer schneller anpassen als wir, was sicher auch seine Gründe hat, und weil die Liberalen schneller Rhythmen aufnehmen als wir. Aber warum sollten wir ihnen das überlassen? Warum sollte das nachlässig sein müssen? Warum sollte es grob sein müssen? Warum sollte es so sein, wie diese linksliberale Welt, wenn sie spricht? Nun, wir sind auch da! Es könnte doch so sein, wie wir sind, oder? Es könnte maßvoll und respektvoll sein, aber dennoch interessant. Wichtig. Warum überlassen wir das ihnen? Wenn wir das dann dort etablieren können, wird das natürlich auch politische Konsequenzen haben, weil die politischen Debatten dann in einem für uns günstigeren Umfeld stattfinden werden. Aber das ist nicht das Wesentliche, das ist nur eine Folge. Das Wichtigste, und deshalb habe ich dieser Bewegung, als wir sie ins Leben gerufen haben, den Namen „digitale Landnahme” gegeben, ist, dass wir das ihnen nicht überlassen dürfen, wir müssen dorthin ziehen, wir müssen dort einziehen, wir müssen es besiedeln. Es gehört auch uns, nicht nur ihnen. Es hängt nur von uns ab. Finden wir das, was wir als nationalen Algorithmus bezeichnen. Den Stil, die Art und Weise, die Themen, wie wir miteinander umgehen, so wie wir sind. Ich möchte niemanden verletzen, aber wir denken doch von uns, dass wir zum besseren Teil des Landes gehören. Natürlich ist auch das Ganze großartig, aber insgesamt besitzt es bessere und weniger gute Teile. Sie sind ja jetzt nicht hier, weil, wie wir von Máté erfahren haben, dass die Hosen fleckig geworden sind, aber sie pflegen hier zu sein. Und genau diese Dualität sagt alles über das, was ich meine. Warum sind wir hier? Zunächst einmal fühlen wir uns hier wohl. Wir sind gerne zusammen. Wir hören interessante Dinge, wir können hier interessante Menschen hören. Die Gespräche über unsere gemeinsamen Angelegenheiten finden in einem Ton statt, der Hoffnung macht, beruhigend und ermutigend ist, nicht nervös, unruhig, ich weiß nicht… Deshalb sind wir hier. Warum kommen sie dorthin, wo wir sind? Um uns die Freude zu verderben, nicht wahr? Sie kommen, um zu provozieren. Es stimmt, das Land ist klein, kleiner als es sein sollte, aber dass man nur dorthin gehen kann, wo wir gerade sind, ist vielleicht übertrieben. Sie wollen also provozieren, weil sie uns dies verderben wollen. Und das ist mehr als Politik, das ist viel mehr als Politik. Es geht nicht darum, mit welcher Partei man sympathisiert, sondern darum, was man unter einem normalen Leben versteht. Was versteht man unter öffentlichem Leben? Und deshalb denke ich, dass die DPK ein großer Erfolg ist, aber wir sind nicht da, wo wir sein sollten. Wir sind nicht da, wo wir sein sollten. Der Gegner ist noch stärker. Das ist schwer genau zu messen. Natürlich ist der Unterschied zwischen unserer Präsenz im digitalen Raum und ihrer viel geringer geworden, aber er besteht immer noch. Sie organisieren sich ja in einer Facebook-Gruppe, das ist öffentlich. Nicht das, was sie die Ukrainer machen lassen, das ist etwas anderes. Sondern es gibt auch etwas Öffentliches. Dort sind es fast 200.000. Wir sind 137.000, wenn ich den Bericht von heute Morgen richtig gelesen habe. 137.000 – wir sind weniger. Die 120 Tage sind dafür da, dass unsere Präsenz im digitalen Raum mindestens so groß ist wie die der Menschen, die anders denken als wir, sagen wir mal, der liberalen Linken. Wenn wir hier ein Unentschieden erreichen können, dann wird unser enormer Vorteil im realen Leben, der nicht nur zahlenmäßig, sondern meiner Meinung nach auch spirituell, natürlich und qualitativ besteht, ausreichen, um die Wahlen zu gewinnen, aber dafür müssen wir im digitalen Raum ein Unentschieden erreichen. 120 Tage. Das kann gelingen.
Ich habe das nur gefragt, weil man natürlich keinen Politiker, keinen Ministerpräsidenten bitten möchte, Vorhersagen zu treffen, aber wie Sie selbst gesagt haben, haben sich die Dinge so sehr beschleunigt, dass die Antwort, die Sie letzte Woche gegeben haben, diese Woche vielleicht schon nicht mehr gültig ist. Es passiert so viel. Wir haben zum Beispiel noch gar nicht darüber gesprochen, dass Lajos Bokros aufgetaucht ist.
Dabei ist das doch so schön!
Er ist doch aufgetaucht. Was haben Sie übrigens gedacht, als Sie ihn gesehen haben?
Es ist also sehr schwierig, die Mission der Rechten zu definieren. Und in den letzten ein, zwei Jahrzehnten hat der liebe Gott uns die Aufgabe übertragen, das in Ordnung zu bringen, was die Linken vermasselt haben. Also haben Sie mich und unsere politische Gemeinschaft 1998 zum ersten Mal geehrt, indem Sie uns so viel Unterstützung gegeben haben, dass wir eine Regierung bilden konnten. Was war unsere Aufgabe 1998? Das wieder in Ordnung zu bringen, was Lajos Bokros und seine Leute vermasselt haben! Denn Lajos macht keine Witze. Wenn man ihn lässt, tut er, was er sagt. Er ist also kein politischer Spaßvogel. Er macht keine Witze. Es geht nicht darum, dass ihm etwas eingefallen ist. Er ist ein entschlossener Mensch. Er ist der Meinung, wie er gesagt hat, dass es böse ist, Müttern mit drei Kindern eine lebenslange Steuerbefreiung zu gewähren. Er hat sich nicht versprochen, das steht hier drin. Und er dachte, dass Rentner, während sich die Welt so schnell verändert, dass wir kaum hinterherkommen, dass wir Rentnern die Erhöhungen geben können, die sie brauchen, um sich sicher zu fühlen, sagt er, dass das nicht in Frage kommt. Das Gleiche gilt für den 3-Prozent-Kredit… Entschuldigung, aber letztendlich wollen wir doch drei Dinge von der Wirtschaft, oder? Ich spreche jetzt als Bürger. Wir wollen drei Dinge. Der Rest ist Hokuspokus. Natürlich sind das BIP und die Investitionen, die Außenhandelsbilanz und fachliche Fragen wichtig. Aber wir wollen drei Dinge. Das erste ist, dass wir ein Dach über dem Kopf haben. Wir wollen nicht ohne ein Heim dastehen. Jeder soll ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung haben, die mein Zuhause, meine Burg ist. Das ist das Erste, was wir wollen. Das Zweite ist, dass es Arbeitsmöglichkeiten gibt, wo ehrliche Arbeit möglichst mit ehrlichem Lohn bezahlt wird und ich mich, meine Kinder, meine Familie und so weiter ernähren kann. Das ist das Zweite. Das Dritte ist, dass es, wenn ich alt werde und keine Kraft mehr zum Arbeiten habe, ein System geben soll, eine Rücklage, damit ich meine alten Tage nicht in Schande verbringen muss. Ein anständiges Alter. Diese drei Dinge wollen wir. Das kann eine Rente sein, Ersparnisse, vieles kann es sein, es gibt alle möglichen Lebensstrategien, aber heute ist unsere gemeinsame Lebensstrategie, dass es ein Rentensystem gibt, durch das wir den älteren Menschen dies garantieren, das haben wir. Diese drei Dinge wollen wir. Lajos Bokros will diese drei Dinge nicht. Er will unser Geld, weil er jungen Menschen keine günstigen Kredite geben will, er hält die arbeitsbasierte Wirtschaft für Unsinn und sagt den Rentnern: Sie sollen sich so gut wie möglich durchschlagen. Dort glaubt man nicht einfach an andere wirtschaftspolitische Instrumente, sondern man hat eine andere Vorstellung davon, wozu die Wirtschaft da ist. Die Wirtschaft ist nicht dazu da, dass die Talentiertesten darin Geld verdienen. Natürlich ist es gut, wenn die Talentiertesten Geld verdienen, aber das ist nicht der Sinn der Wirtschaft. Vielmehr soll sie einen Raum schaffen, der für uns alle akzeptabel und tragbar ist und in dem wir die Sicherheit haben, unsere Talente, Wünsche und Pläne entfalten können. Wenn ich so viel Geld verdienen kann, dass ich mich ohne den Druck, meinen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen, mit den Dingen beschäftigen kann, die mir wichtig sind. Wenn ich Glück habe, stimmt meine Arbeit mit meiner Mission, meiner Berufung oder meiner Leidenschaft überein. Aber das ist nicht immer der Fall. Das ist alles. Dafür ist die Wirtschaft da. Aber in den Köpfen der Banker, der Lajos Bokros, der Tisza-Partei und der DK geht es in der Wirtschaft nicht darum, sondern um Zahlen, um Profit und Rendite, was natürlich nicht unwichtig ist, denn ohne das funktioniert eine Marktwirtschaft nicht, aber das ist nicht das Ziel. All dies sind nur Mittel, damit wir, die wir uns Ungarn nennen, derzeit etwa 10 Millionen oder 9,5 Millionen, und alle, die zu uns gehören, unabhängig davon, wie sich die Geschichte entwickelt hat, gemeinsam ein Leben auf einem solchen Niveau schaffen können, dass jeder das, was ihm wichtig ist, verwirklichen kann. Einzeln und auch gemeinsam. Das ist alles, was wir wollen. Wir passen also nicht in das Weltbild von Lajos Bokros. Und Lajos Bokros passt nicht in unser Weltbild.
László Lengyel, ein Experte der Tisza, sagte, wenn sie die Möglichkeit hätten, würden sie beispielsweise die 14. Monatsrente in 5 Sekunden zurücknehmen. Nun, glücklicherweise habe ich ein Video gesehen, in dem Sie innerhalb von 10 Sekunden über die Erhöhung des Mindestlohns und des garantierten Mindestlohns im nächsten Jahr entschieden haben. Da wir heute schon so viel über Schnelligkeit gesprochen haben, möchte ich auch dies ansprechen, dass…
Lassen Sie uns darüber sprechen…
…nicht sicher…
Widmen wir einen Satz der 14. Monatsrente.
Ich bin mir nicht sicher, ob sie darin gewinnen würden.
Zunächst einmal halte ich es für sehr wichtig, dass das, was geschieht, generationsübergreifend gerecht ist. Und wir haben den jungen Menschen so viel gegeben. 3 % Wohnungskredite, Steuerbefreiung für unter 25-Jährige, Studentenkredite, Arbeiterkredite. Natürlich gehört ihnen die Zukunft, aber die Welt gehört nicht nur den Zwanzigjährigen. Es muss also ein Gleichgewicht, eine Balance geben. Man darf die älteren Menschen nicht vergessen. Diejenigen, die über die Ressourcen des Landes entscheiden, wie ich selbst, müssen daher diesen Aspekt der Gerechtigkeit berücksichtigen, erstens. Zweitens: Wir konnten das nur tun, weil man sich nur zu so viel verpflichten sollte, wie man sicher ist, dass wir den Wert der Renten erhalten können. Aber inzwischen ist der Wert der Löhne nicht nur erhalten geblieben, sondern sogar gestiegen. Wir können den Wert der Renten nicht in dem Maße erhöhen, wie die Gehälter steigen, vor allem weil es nicht die Entscheidung des Staates, sondern die Entscheidung der Privatwirtschaft ist, wie hoch die Gehälter sind. Aber dennoch sollten Rentner über die Werterhaltung hinaus, wenn möglich, die Möglichkeit erhalten, dass ihre Rente steigt. Das geschieht auch durch die 13. und die 14. Rente. Es stimmt, dass dies in einer Summe geschieht, aber es ist in Wirklichkeit eine Rentenerhöhung. Und deshalb kann meiner Meinung nach Gerechtigkeit nicht aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen werden. Es gibt die wirtschaftliche Vernunft und vieles andere, aber dann könnten wir das Schicksal des Landes auch den Ökonomen anvertrauen, was wir aber nicht tun, weil sie nur Zahlen sehen, wir sehen Menschen, und deshalb muss man auch irgendwie erfolgreich sein, man muss die wirtschaftliche Dynamik bewahren, auch Wachstum ist nötig, auch den jungen Menschen müssen sich Chancen bieten, und auch den älteren Menschen muss man das geben, was ihnen zusteht. Das muss irgendwie im Gleichgewicht gehalten werden. Dabei sind wir übrigens nicht besonders reich. Das werden wir noch, aber jetzt sind wir noch nicht so weit, weil wir erst seit fünfzehn Jahren regieren, und wenn wir das dreißigste Jahr erreichen, werden wir über ganz andere Dinge sprechen. Wir haben keine Zeit, darüber zu sprechen, aber es ist Weihnachten, und zu dieser Zeit kann man doch etwas vom Weihnachtsmann wünschen, oder? In meinem Kopf ist also der Gedanke präsent, dass Ungarn heute Kredite aufnimmt, damit es funktionieren kann. Das nennt man BIP-proportionale Staatsverschuldung. Aber mein Plan ist, dass wir Kredite vergeben werden. Das ist meine Bitte an den Weihnachtsmann.
Die allerletzte Frage, ich kann sie nicht auslassen: Gibt es noch etwas, das Sie sich zu Weihnachten wünschen? Nun, vielleicht, ich weiß nicht, mehr Stunden, in denen Sie schlafen könnten, weniger Kaffee, den Sie trinken müssen.
Als ich Soldat war, sagte man mir, dass Soldaten nicht frieren, sondern nur die Kälte spüren. So geht es mir auch. Ich bin nicht müde, nur meine Kräfte schwinden. Also, schlafen, ja, das wird guttun, ja. Aber wir waren doch eine große Familie, ich habe fünf Kinder. Und das letzte ist auch von zu Hause ausgezogen. Jetzt kämpfen wir damit, dass wir nicht zusammengekommen sind, um zu zweit zu sein, und ich hoffe, dass wir zu Weihnachten wieder viele sein werden. Das ist alles. Wenn das so ist, dann vielen Dank, ich bin glücklich.
Ich danke Ihnen, Herr Ministerpräsident, für Ihre bisherigen Antworten und Gedanken, aber das Gespräch ist noch nicht zu Ende. Es ist noch nicht zu Ende, denn ich gebe das Wort an Zsófi und Philip weiter, die nun die Fragen des Publikums weitergeben und vorlesen werden.
Zsófia Szabó: Das ist richtig. Vielen Dank an Éva Andor.
Philip Rákay: Vielen Dank.
Zsófia Szabó: Und es sind wirklich sehr viele Fragen auf der Facebook-Seite eingegangen. Herr Ministerpräsident!
Philip Rákay: Wir versuchen, sie auf zivilisierte Weise auszuwählen. Es gab auch ein paar etwas schärfere Fragen. Es gibt ein paar … Beginnen wir mit dieser: „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, ist es Ihrer Meinung nach ein Grund zum Stolz oder zur Schande, dass der Fidesz gescheitert ist und selbst ihr schlechtester Mann der beste in der Opposition sein kann?” Ja, und dazu passt auch die Frage von Jutka Kel: „Herr Ministerpräsident, was ist der Unterschied zwischen dem schrecklichen Bokros-Paket und dem Tiszapetike-Paket?”
Es ist schwer, einen Unterschied zu erkennen, aber die regierende Rechte muss damit rechnen, dass sie nicht nur der traditionellen Linken gegenübersteht, sondern dass Politik ein Beruf ist, in dem man erfolgreich sein kann und auch scheitern kann. Und wenn man lange regiert, gibt es nicht nur diejenigen, die erfolgreich sind – ich könnte zahlreiche Namen nennen, die übrigens bewiesen haben, dass sie talentiert und erfolgreich sind und ihre Arbeit gut machen –, sondern auch solche, die scheitern. Unsere Welt ist sehr schwierig. Man kann beruflich und menschlich scheitern, denn man steht im Rampenlicht. Die Leute sehen einen. Und wenn es menschliche Probleme gibt, wird das auch sichtbar. Es ist also nicht leicht, hier zu bestehen. Je weiter wir also voranschreiten und je länger wir an der Macht sind, desto mehr Menschen werden das Gefühl haben, dass sie gescheitert sind. Sie haben es nicht geschafft, und sie haben es wirklich nicht geschafft. Und wer ist dafür verantwortlich? Ich natürlich, ich, aber es geht nicht nur darum, sondern sicher auch um jemand anderen. Man muss also damit rechnen, dass diejenigen, die an deiner rechten Seite scheitern, die unfähig geworden sind, die keine Chance bekommen haben, dass die Gemeinschaft entschieden hat, dass das zu viel wäre, dass sie früher oder später etwas versuchen werden. Und der Schutzschirm Brüssels bietet sich so leicht und eindeutig an! Dort muss man sich verstecken, dort gibt es immer Wein und weiches Brot. Selbst wenn ich nicht zur Arbeit gehe, bekomme ich dort mein Gehalt. Dort wird meine Immunität sicher nicht aufgehoben, und ich bin auch in Sicherheit, nicht wahr? Wenn ich sage, was sie wollen, dann kommt von hinten Schubkraft. Das Leben ist sogar einfacher als bei dem Fidesz, wo wir wirklich wie Wölfe draußen in der Kälte stehen und uns gegen den Gegenwind behaupten müssen. Ich würde also nicht sagen, dass es eine Schande ist, sondern dass es unvermeidlich ist. Dass genau das mit diesem Menschen passiert ist, ist eine andere Sache. Aber ich möchte uns weiterhin nur sagen, dass wir den Gegner, mit dem wir tatsächlich kämpfen müssen, nicht verwechseln sollten. Das ist nicht der Oppositionsführer, nicht einmal die Tisza. Man könnte sie auch Amazonas nennen, dann wären sie immer noch nicht die großen Herausforderer. Der wahre Herausforderer ist Brüssel. Der wahre Gegner ist in Brüssel. Von dort kommt der Gegenwind, von dort will man das Leben in Ungarn untergraben, von dort will man uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Und es ist wichtig, dass wir das nicht zulassen. Márki-Zays kommen und gehen. Sie heißen nur nicht immer gleich, das ist alles.
Philip Rákay: Éva Galbács-Vancó fragt: „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, haben Sie noch einen Plan in petto, der ein lang gehegter Wunsch ist und den Sie in Ihrer Eigenschaft als Ministerpräsident noch sehr gerne verwirklichen würden?“
Die Gesetze verbieten es mir, mich in die Angelegenheiten des ungarischen Fußballs einzumischen, das ist das einzige Problem. Sonst wäre ich dabei.
Zsófia Szabó: Wir haben eine sehr nette Frage, István Gombkötő fragt: „Welche Führungsgewohnheit treibt Ihren Mitarbeiterstab am meisten in den Wahnsinn, oder gibt es überhaupt eine solche, die Sie aber für absolut notwendig halten?“
Ohne Mitarbeiterstab wäre es besser. Denn sie tun zwar alles für mich, aber vielleicht ist genau das das Problem. Sie kümmern sich um mich, bereiten alles vor, aber wissen Sie, jede Hilfe ist auch eine Einschränkung. Und ich bin ein Straßenkämpfer, ich habe also meine Junggesellenallüren, ich kümmere mich gerne selbst um mich und erledige meine Angelegenheiten selbst. Ich erinnere mich, als wir 1998 zum ersten Mal an der Regierung waren, da wusste ich das noch nicht, da sind wir in die Residenz des Ministerpräsidenten gezogen. Es war ein Albtraum. Als wäre ich im Gefängnis gewesen. Meine Frau sagte, so etwas soll nie wieder vorkommen. Nicht deshalb haben wir die Wahl verloren… Aber ich sage, wenn es so ist, dann nicht. Deshalb bin ich jetzt auch nirgendwohin umgezogen, ich wohne zu Hause, wo ich bisher gewohnt habe. Das Team findet es vielleicht schwer zu ertragen, dass ich die Hilfe als Einschränkung empfinde. Aber so ist es nun mal. Ich bin ja doch halb ein Kumane. Die sind so.
Zsófia Szabó: Vielen Dank!
Philip Rákay: Vielleicht fragen wir das nächste Mal auch das Team, wie sie das sehen. Und dann noch eine letzte Frage. Attila Kocziha schreibt: „Herr Ministerpräsident, was war Ihre schwierigste und risikoreichste Entscheidung, und welche Lehren haben Sie daraus gezogen?“
Ich habe viele Horrorgeschichten. Aber die kann ich nicht erzählen, weil die Beteiligten noch leben. Deshalb muss ich sorgfältig eine auswählen, die nicht die Grenzen der Höflichkeit oder Ritterlichkeit überschreitet. Aber ich erinnere mich an eine Szene. Das war in Brüssel, vielleicht im Herbst 2015 oder 2016, als die deutsche Bundeskanzlerin mich in die Enge getrieben hat. Damals kamen und gingen die Kanzler noch nicht so. Frau Merkel hat immerhin 16 Jahre hinter sich, das ist eine andere Gewichtsklasse, und sie hat mich wegen des Zauns und der Migration zur Verantwortung gezogen. Und sie sagte, dass es nicht möglich sei, dass es eine Position der 26 EU-Staaten gebe – damals waren vielleicht noch die Briten dabei – und ein Land sich davon abhebt, sein Veto einlegt und dagegen ist. Und dass ich einsehen solle, dass das unmöglich sei. Und dass ich das aufgeben solle. Wenn eine Deutsche einen bedroht, ist das eine ernste Angelegenheit. Mit anderen geht man leichter um. Und ich sagte, dass wir in Ungarn Deutsche haben, die sehr gute Ungarn sind, und glauben Sie mir, ich denke, dass sie mir ausnahmslos zustimmen. Wir befinden uns also nicht in einem deutsch-ungarischen Streit, denn ihre Deutschen, die inzwischen schon unsere Ungarn sind, wollen in Ungarn keine Migration. Und ich sagte, glauben Sie mir, das wird zu etwas Schlechtem führen. Denn aus ungarischer Sicht bedeutet das, dass schon einmal die Deutschen, nein, nicht die Deutschen, sondern Berlin, uns gesagt hat, mit wem wir nicht zusammenleben dürfen. Es gab eine solche Phase in unserer Geschichte, nicht wahr? Das hat zu nichts Gutem geführt. Und jetzt wollen Sie uns vorschreiben, mit wem wir zusammenleben sollen. Das wird auch nicht zu etwas Gutem führen! Hört damit auf. Das wird in Ungarn am Ende sogar zu einer antideutschen Stimmung führen. Tut das nicht! Aber ich konnte sie nicht überzeugen, und sie sagte, ich würde jetzt erfahren, wie es ist, wenn die schützende Hand der deutschen Kanzlerin nicht mehr über Ungarn liegt. Und dann musste ich eine Entscheidung treffen, ob ja oder nein. Ich holte tief Luft, hörte die deutschen Stiefel, stellte mir vor, wie sie auf meiner Brust landeten, und sagte mit meinem letzten Atemzug „Nein!”. Damit war das Gespräch beendet. Nun ja…
Philip Rákay: Das ist dann das Schlusswort für heute. Vielen Dank an Éva Andor und Ministerpräsident Viktor Orbán, und vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren. In einer Woche sehen wir uns in Szeged bei der bisher größten Versammlung der Digitális Polgári Körök Országjárása (Landestour der Digitalen Bürgerkreise). Wir haben viele Überraschungen vorbereitet, zum Beispiel Lázárinfó mit Viktor Orbán am kommenden Samstag.
Éva Andor: Herr Ministerpräsident, vielen Dank für das heutige Gespräch und Ihre Anwesenheit. Vorwärts Ungarn, so ist es richtig!
Vorwärts Ungarn!
Philip Rákay: Vielen Dank, vielen Dank, Mohács!