Dániel Kacsoh: Hallo! Dies ist eine ganz besondere Ausgabe von „Reaktor mit Dániel Kacsoh” von dem Flugzeug, das gerade auf dem Weg nach Washington ist, wo Viktor Orbán und Donald Trump zu einem Gipfeltreffen zusammenkommen. Wir konnten den ungarischen Ministerpräsidenten für ein kurzes Interview gewinnen. Das folgt nun, aber bevor Ihr es Euch anseht, abonniert bitte unseren Kanal! Herr Ministerpräsident, Donald Trump hat Sie als seinen Freund bezeichnet. Trifft das auch auf Ungarn zu, und wenn ja, was folgt daraus?
Das ist richtig. Heute findet im westlichen Teil der Welt ein historisches Experiment statt. Wir haben damit begonnen, aber die eigentlichen Trägerraketen sind nicht wir, sondern die Vereinigten Staaten unter Donald Trump. Und dieses große historische Abenteuer und Unterfangen besteht darin, ob man die westliche Welt, die sich völlig liberal-links orientiert hat und gerade deshalb in vielen Bereichen, beispielsweise in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, gescheitert ist, wieder in eine Welt zurückführen kann, die traditionelle Werte achtet, aber von einer modernen christlichen Regierung geführt wird. Das ist die große Frage. Wir haben damit 2010 begonnen, und 2016 hat Donald Trump dies in den Vereinigten Staaten versucht. Ich habe bisher die Wahlkontrollpunkte überstanden und mache das deshalb seit sechzehn Jahren. Er hat den ersten Kontrollpunkt nicht überstanden, deshalb wurde Amerika vier Jahre lang nach links zurückgedrängt, aber er hat nicht aufgegeben, er ist zurückgekommen, und jetzt machen wir weiter, was wir zuvor, während seiner ersten Amtszeit, gemacht haben. Natürlich darf Ungarn seine eigene Bedeutung nicht überschätzen, denn unser Gewicht ist so groß, wie es ist, unser BIP ist so groß, wie es ist, unsere Armee ist so groß, wie sie ist, aber wir dürfen uns auch nicht unterschätzen. Und es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass wir die internationale Lage anders interpretieren als die meisten westeuropäischen Länder und eine eigentümliche Antwort auf die Herausforderungen der Zeit geben, die sich von der aller anderen unterscheidet. Das tun wir seit 2010. Und plötzlich sehen wir, dass ein so großer Staat wie die Vereinigten Staaten denselben Weg einschlägt, und daraus entsteht eine besondere Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Ungarn. Deshalb können wir sagen, dass das amerikanische Volk und das ungarische Volk heute dasselbe versuchen, dass sie ihre Zukunft auf dieselbe Weise retten wollen, dass sie dieselben Lösungen anwenden wollen, wenn auch in anderem Maßstab, aber dass sie ihre Zukunft, ihre Familien, ihre Wirtschaft und ihre internationale Position genauso retten wollen wie wir. Daraus entsteht eine besondere Beziehung.
Herr Ministerpräsident, die ungarische Wirtschaft erlebt nicht gerade ihre besten Jahre, manche drücken sich sogar noch drastischer aus. Für einen einfachen ungarischen Staatsbürger, der die diplomatischen Ereignisse nicht verfolgt und gegebenenfalls auch von diesem Treffen nur aus den Schlagzeilen erfährt, was bedeutet das für seinen Alltag, was morgen im Rahmen der Vereinbarung im Weißen Haus voraussichtlich geschehen wird?
Es lohnt sich, unabhängig von dieser Reise in die USA über die Lage der ungarischen Wirtschaft zu sprechen, denn die ungarische Wirtschaftsgeschichte hat noch nie erlebt, dass ein Land trotz eines Krieges, der das Wirtschaftswachstum in Ungarn und Europa blockiert, in der Lage ist, Programme zu starten, die selbst bei extrem hohem Wirtschaftswachstum schwer umzusetzen sind. Und Ungarn startet in einem international blockierten wirtschaftlichen Umfeld das größte Programm für den Erwerb von Erstwohnungen und startet Europas größte Steuersenkungsrevolution, verdoppelt die Steuervergünstigungen für Kinder und führt gleichzeitig eine lebenslange Steuerbefreiung für Mütter mit drei oder zwei Kindern ein. Und dabei herrscht Vollbeschäftigung. Es ist also interessant, welche makroökonomischen Zahlen die ungarische Wirtschaft vorweisen kann, aber noch wichtiger ist, was die ungarische Wirtschaft heute leisten kann, unabhängig davon, wie die makroökonomischen Zahlen aussehen. Und heute kann sie Dinge leisten, die für die Menschen beispiellos und beispiellos positiv sind. Ich sehe also die Lage der ungarischen Wirtschaft differenziert. Nun, unsere aktuellen Verhandlungen mit den Amerikanern werden zwei Auswirkungen auf den Lebensstandard in Ungarn haben. Der erste, positive Teil der Verhandlungen besteht darin, dass wir ein völlig neues System amerikanisch-ungarischer Wirtschaftsbeziehungen schaffen, das Bereiche wie Energie, Rüstungsindustrie, wissenschaftliche Zusammenarbeit und Zusammenarbeit zwischen Universitäten umfasst und viele positive Auswirkungen haben wird. Darüber hinaus verhandeln wir über amerikanische Investitionen, was keine einfache Aufgabe ist, da der Präsident derzeit seine Investitionen aus dem Ausland zurück nach Amerika holen will, während es mein Ziel ist, so viele amerikanische Investitionen wie möglich nach Ungarn zu holen. In diesem Jahr haben wir bereits sieben bedeutende amerikanische Investitionen nach Ungarn geholt, und ich möchte nun noch einige weitere neue Investitionen vereinbaren. Und es gibt noch ein weiteres Thema, das unser tägliches Leben unmittelbar beeinflusst, nämlich die Energiepreise. Wenn ich mich mit dem amerikanischen Präsidenten nicht auf eine Ausnahme von den Sanktionen einigen kann, die Ungarn und die ganze Welt betreffen, dann wird es große Probleme für die ungarische Wirtschaft und die ungarischen Haushalte geben, weil die Energiepreise in die Höhe schnellen werden. Wenn ich mich einigen kann, dann können wir die Senkung der Nebenkosten verteidigen und unser Leben zu den Preisen weiterführen, die wir heute für Energie bezahlen. Es ist nur leicht übertrieben, dass es um Leben und Tod geht.
Das wird sich morgen zeigen. Noch eine kurze Frage. Bislang haben nur wenige der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union und der europäischen Mitgliedstaaten bilaterale Gespräche mit dem mittlerweile nicht mehr neuen, aber letztlich doch neuen amerikanischen Präsidenten geführt. Sie gehören zu den Ersten. Haben Sie Anrufe beispielsweise von der Europäischen Kommission oder von anderen Staats- und Regierungschefs erhalten, die ebenfalls etwas fragen möchten, helfen Sie, Herr Ministerpräsident, mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten in Kontakt zu treten oder engere Beziehungen zu ihm aufzubauen?
Ich stehe mit den mitteleuropäischen Ländern in einer Beziehung, in der solche Gespräche stattfinden können, und es gab auch solche Gespräche. Die Westeuropäer wenden sich in der Regel an mich, wenn es neue Entwicklungen in Sachen Krieg und Frieden gibt. Als beispielsweise die Vereinbarung getroffen wurde, dass ein russisch-amerikanisches Gipfeltreffen in Ungarn stattfinden soll, musste natürlich auch mit den Westeuropäern Rücksprache gehalten werden, was ich auch getan habe.