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Viktor Orbáns Interview in der Sendung „Sonntagszeitung” [„Vasárnapi Újság”] von Radio Kossuth

Katalin Nagy: Es ist halb acht. Laut der frischesten Daten sind am Wochenende im Laufe eines Tages in Ungarn 63 tausend Menschen geimpft worden. Ich begrüße im Studio Ministerpräsident Viktor Orbán. Kann man dieses Tempo aufrechterhalten?

Ich wünsche den Zuhörern einen guten Morgen! Man kann es aufrechterhalten. Hut ab vor den Ärzten, den Hausärzten, den an den Impfpunkten in den Krankenhäusern Arbeitenden, den Schwestern, dem Aushilfspersonal, also vor allen, die daran teilnehmen. Drei Dinge sind notwendig, damit wir das Tempo halten können. Zunächst einmal muss es Menschen geben, die sich impfen lassen, ich bitte einen jeden, sich zu registrieren, sich impfen zu lassen, nur der Impfstoff hilft. Zweitens muss es jemanden geben, der ihn verabreicht, Ärzte, Krankenschwestern, Hausärzte. Und schließlich brauchen wir Impfstoff, den wir verimpfen. Nur mit dem letzten gibt es Probleme. Die grundlegende Zahl, mit der wir arbeiten, ist ja die, dass wir für 13 Millionen Menschen ausreichenden westlichen Impfstoff bestellt haben. Und da ich bereits im November gesehen hatte, dass es mit diesem westlichen System der Beschaffung Probleme geben würde, haben wir noch für 3,5 Millionen Menschen ausreichenden östlichen Impfstoff bestellt. Wir haben also insgesamt für das Impfen von 16,5 Millionen Menschen ausreichenden Impfstoff bestellt. Jetzt ist die Frage, wann er ankommt. Der russische und der chinesische kommt im Großen und Ganzen pünktlich an, ja die Chinesen zeigen von Zeit zu Zeit auch die Geste, uns die Ladungen früher zu schicken. Und die durch die EU bestellten und verteilten Impfstoffe kommen nicht oder kommen nur sehr langsam. Jede Woche erlebt ein jeder in Europa eine wiederholte ernsthafte Enttäuschung, der auf die gemeinsame Brüsseler Beschaffung vertraut hat. Wenn man alles addiert, dann ist das für 16,5 Millionen Menschen reichender Impfstoff. In Kenntnis der ungarischen Geschichte wissen die Hörer dieser Sendung sicherlich sofort, warum so viel, denn man musste sich auch darauf vorbereiten, falls es jenseits der Grenze keinen ausreichenden Impfstoff geben wird. Man kann jeden Ungarn, der auf der Welt lebt, aus 16,5 Millionen Dosen Impfstoff impfen.

Aber wird es genügend Menschen geben, um all dies durchzuführen? Ich frage dies auch deshalb, denn viele Menschen befürchten schon, dass die Krankenhäuser die Belastung nicht aushalten werden. In einigen Krankenhäusern liegt die Auslastung bereits bei 90%, so viele sind es schon, selbst auf den Intensivbetten.

Tatsächlich sagen die Experten, dies sei hier die dritte Welle, die zweite sei stärker gewesen als die erste, und diese dritte ist stärker als es die zweite war. Wer Soldat war und Wache gestanden hat, der weiß genau, dass die Nacht vor dem Morgengrauen am dunkelsten ist und wir befinden uns jetzt in diesem Augenblick. Wir müssen also auf zwei Dinge zugleich achten, auf die Dunkelheit und das Morgengrauen. Die Dunkelheit, das sind die ständig zunehmenden Fallzahlen, ob die Krankenhäuser ihnen noch gewachsen sind, ob es Beatmungsgeräte in ausreichender Zahl, ob es genug Menschen gibt. Und das andere ist das Morgengrauen, der Impfstoff, ob es genügend Menschen gibt, die sich registrieren. Nun habe ich hier jetzt eine gute Nachricht, denn ich habe den Eindruck, wir Ungarn fangen an in die Gerade zu kommen, die Zahl der Registrierten hat die drei Millionen überschritten. Ihre Zahl ist in der letzten Zeit sehr angestiegen, und unter den neu Registrierten befinden sich in großem Maße – irgendwo habe ich auch eine genaue Zahl – die über sechzig Jährigen in hoher Zahl. Jetzt musste hier der Operative Stab jenes Dilemma lösen, ob wir in der zeitlichen Reihenfolge der Registrierung die Menschen unabhängig von ihrem Lebensalter impfen sollen oder ob wir die Alten, die sich später registriert haben, vor die Jungen hineinlassen. Das war keine einfache Diskussion, aber schließlich haben wir entschieden, da die über sechzig Jährigen in wirklicher Lebensgefahr sind, werden wir sie, auch wenn sie sich später registriert haben, in der Impfreihenfolge nach vorne nehmen. Deshalb impfen wir, wir impfen auch heute, und wir impfen auch morgen, und wenn es Impfstoff gibt, impfen wir unaufhörlich. Was jetzt nun die Betten angeht, von hier aus gehe ich ins Innenministerium, wo ich im Rahmen einer Videokonferenz mir alle Krankenhausdirektoren darüber anhören werde, wie sehr sie sich auf die vor uns stehende Woche vorbereitet haben, die wahrscheinlich die schwierigste Woche des gesamten Zeitraums der Epidemie sein wird sowohl hinsichtlich der Krankenhausbetten als auch der Beatmungsgeräte sowie der Krankenschwestern und Ärzte, die man zur Arbeit einteilen kann.

Wird es nicht notwendig werden, das Ausland um Hilfe zu bitten, wie dies die Slowakei zuvor getan hat?

Soweit wir das sehen, kommen wir klar, wir werden also eher anderen Hilfe leisten. Wir verfügen im Verhältnis zur Bevölkerung vielleicht in ganz Europa über mehr Betten als sonst jemand, und mit Sicherheit gibt es bei uns im Verhältnis zur Bevölkerung die meisten Beatmungsgeräte. Wir haben ja die niedergelassenen Ärzte aufmarschieren lassen, wir haben die Assistenzärzte gebeten, sich in den obligatorisch arbeitenden Modus zu versetzen. Ich glaube, es gibt auch keinen Widerstand, ich möchte mich also auch bei den Jungen bedanken, wir können ja sogar die absolvierenden Medizinstudenten einsetzen. Und es gibt einen zentralen Beorderungsplan, von welchem Punkt des Landes man wohin Ärzte und Krankenschwestern umgruppieren muss, wenn dies notwendig wird. Das ist unbequem, das ist sehr schwer. Und für jene, die wir beordern, ist es das ganz besonders. Sie arbeiten ja an sich schon unter schwierigen Bedingungen, und jetzt müssen sie das auch noch anderswo, als wo sie es sonst gewohnt sind, also Hut ab vor ihnen! Aber meiner Ansicht nach spüren sie, dass jetzt das Leben und auch die Freiheit der Menschen von ihnen abhängt, und ich sehe, dass sie trotz aller Angriffe – denn in der Zwischenzeit höre ich von links, das ungarische Gesundheitswesen sei auf die eine und die andere Weise schwach, es sei auf die eine und die andere Weise schlecht, was die Schwäche der in ihm arbeitenden Menschen bedeutet; und ich sehe jeden Tag das Gegenteil dessen, nämlich dass unsere Ärzte stark und fürsorglich sind, dass die Krankenschwestern alles unternehmen. Ich glaube also, dass es gehen wird, nur sage ich noch einmal, wir stehen vor einer sehr schwierigen Woche, wir durchleben jetzt die dunkelsten Momente vor dem Morgengrauen.

Vergebens ist in der westlichen Presse erschienen, Ungarn sei im Impfen Europameister, es scheint, als ob die Opposition eine Perspektive gefunden hätte, deren Endergebnis nicht so günstig ist. Sie sagen, wenn man zur Grundlage nimmt, wie viel Impfstoff in einem Land auf Lager ist, und wir betrachten, wie viel davon verimpft worden ist, dann zeige dies die Effektivität, und ihrer Ansicht nach steht Ungarn im Hinblick auf dieses Verhältnis auf dem vorletzten Platz.

Das ist eine gemeine Lüge. Die Wirklichkeit ist die folgende: Wir denken ja in Impfwochen. Es kommt eine Lieferung an, die Impfwoche dauert von Dienstag bis Dienstag, wenn eine Lieferung ankommt, dann verimpfen wir sie sofort innerhalb von ein-zwei Tagen. Die eingetroffene Lieferung muss ja zuerst untersucht werden, ob sie in Ordnung ist. Hier gibt es eine Sicherheitsbrandmauer, über diese Hürde muss die Lieferung hinwegkommen. Diese Arbeit verrichten medizinische Experten, Experten des Seuchenschutzes, und danach wird alles gleich verimpft. Was auf Lager ist, ist aus dem Grund auf Lager, weil es in den kommenden ein-zwei Tagen verteilt werden wird oder weil es das Gegenstück zu jener Impfung ist, als zweite Impfung, von der die Menschen die erste bereits erhalten haben. Hierüber gibt es immer eine Diskussion – ich möchte keine tiefgreifende, auch für mich nicht ganz durchschaubare Fachdiskussionen der Ärzte ausführen, aber es gibt eine Diskussion – darüber, innerhalb von wie viel Tagen im Falle welchen Impfstoffs die Impfung wiederholt werden muss. Und darüber sagen die Hersteller, die Fachleute des europäischen Gesundheitswesens, die Fachleute des ungarischen Gesundheitswesens usw. nicht immer das gleiche. Es gibt also einen Meinungsunterschied, ob 21 Tage, 28 Tage, 35 Tage usw. Doch sicher ist, dass von jedem eine zweite notwendig ist. Die Art von Impfstoff – es wird auch so einen geben, von ihm haben wir ebenfalls vier Millionen Dosen bestellt –, die nur ein einziges Mal verabreicht werden muss, gibt es noch in Ungarn nicht. Wir impfen also jetzt nur mit Impfstoffen, von denen auch eine zweite Dosis notwendig sein wird. Auch ich habe nur die erste erhalten, auch ich werde eine zweite benötigen. Die Frage ist die, nach wie vielen Tagen ich sie erhalten werde? Und aus diesem Grund muss man die zweite Dosis der bereits verabreichten ersten Impfung auf Lager haben. Dies als Verzögerung hinzustellen ist eine gemeine Lüge.

Ja, aber es gab ja eine Modifizierung im Impfplan, als die Zahlen dermaßen schnell anfingen anzusteigen, dass man versuchen könnte, ab jetzt jedem, der hier ist und sich registriert hat, die erste Impfung zu verabreichen, weil wir auch damit Zeit und Leben gewinnen.

Ja aber unsere Fachleute sind ernsthafte Experten, also Experten für den Seuchenschutz, und sie gehen ohne Untersuchungen, ohne verifizierte Daten, ohne international anerkannte Tatsachen nicht gerne auf irgendwelche vagabundierenden Abenteuer ein, denn hier geht es um die Gesundheit von Menschen. Also manchmal habe auch ich das Gefühl, wir könnten schnellere Entscheidungen treffen, doch sehe ich ein, dass wir vollkommen unbekannte Gewässer befahren, und es ist persönlich ihre Verantwortung, nicht mit den Menschen zu experimentieren, sie warten also immer ab, bis sich ein internationaler Konsens herausbildet. Im Übrigen nehmen auch sie teil an den Fachdiskussionen hierüber, worüber früher – Sie erinnern sich – gesagt worden war, 28 Tage. Jetzt sagt man, auch 35 Tage seien möglich. Doch kann dies nicht nur eine ungarische Entscheidung sein, darüber muss ein internationaler Fachkonsens entstehen. Auch ich befürworte es übrigens, wenn es möglich ist, dann möglichst vielen Menschen die erste Impfung zu verabreichen, doch muss man auch die zweite erhalten, ansonsten könnte die erste ihren Sinn verlieren. So ungeduldig wir auch sein mögen, wir müssen immer auf die ungarischen Experten hören, die Teil eines großen internationalen Konsultationssystems sind.

Wir hören in den Nachrichten, dass fünf Mitgliedsstaaten der EU unter der Führung von Österreich die Präsidentin der Europäischen Kommission und auch den Leiter des Rates darum gebeten haben, einen Gipfel der Europäischen Union einzuberufen, um die Frage zu klären, warum die Verteilung des Impfstoffs in der Europäischen Union ungleichmäßig erfolgt, denn dies zeigen die Zahlen und die Erfahrungen. Glauben Sie, weil Österreich an der Spitze dieser Initiative steht, wird dies ein Ergebnis haben oder wird diese Stimme lauter erklingen?

Schauen Sie, konzentrieren wir uns auf die Fakten. Wir können ruhig sagen, die Europäische Union ist eines der am meisten infizierten Gebiete auf der ganzen Welt. Hierfür gibt es sicher eine epidemiologische fachliche Erklärung, die jetzt uninteressant ist, denn dies ist eine Tatsache. Dies bedeutet, dass die Europäische Union 5,5% der Weltbevölkerung ausmacht und zwanzig Prozent aller an der Epidemie verstorbener Menschen waren Bürger der Europäischen Union. Daraus ist also ersichtlich, dass hier das Übel größer ist als in anderen Teilen der Welt, oder als vorerst in anderen Teilen der Welt, denn es ist ja möglich – wünschen wünsche ich es ihnen nicht –, dass das Übel sich auch dort verstärkt. Das ist jetzt nun die erste Tatsache. Die zweite Tatsache ist, wie wir mit dem Impfen stehen. Ich war ja jetzt in Israel, habe den Ministerpräsidenten besucht und wir haben auch einige wichtige Vereinbarungen getroffen. Dort habe ich aber mit eigenen Augen sehen können, dass sie, die sie im Osten liegen, doch wir können Israel kulturell als ein westliches Land bezeichnen, viel weiter voraus sind, bald werden sie fertig sein. Oder da sind die Briten, bei denen der Grad der Durchgeimpftheit irgendwo zwischen 30 und 50%, oder 30 und 40% liegt, und da sind wir, die Länder der Europäischen Union, wo der Durchschnitt 6,8%, also weniger als 7 beträgt, während das des die Europäische Union verlassenden Großbritanniens gleich 40 oder vielleicht auch 50 erreicht. Dies zeigt also sehr gut, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das ist keine politische Frage, keine Anklage, keine Frage der Antipathie gegenüber der EU oder den Brüsseler Bürokraten, sondern es ist ganz einfach eine Frage der Tatsachen. Das ist die Lage. Sie haben es vermasselt, und Woche für Woche stellt es sich heraus, dass die Lieferungen, die wir fixiert, die wir bestellt haben, nicht kommen, nicht in der Menge kommen. Und hier halte ich in der Hand die Benachrichtigung von AstraZeneca, das können die Hörer zwar nicht sehen, in der sie uns schreiben, im kommenden Zeitraum werden sie uns jetzt um einige hunderttausend Dosen Impfstoff weniger liefern, sie werden sie später zwar abliefern, aber nicht jetzt. In solchen Momenten müssen wir nun versuchen Impfstoff von irgendwo anders her zu besorgen oder von anderswo kommende Lieferungen nach vorne zu nehmen, umzuorganisieren, damit wir das ersetzen können, was ausgefallen ist. Doch wer keinen russischen oder chinesischen bestellt hat, denn ein Großteil der Länder der Europäischen Union hat solche nicht bestellt, ja es war sogar ihre Mehrheit, der weiß jetzt nicht wohin er sich wenden, was er jetzt machen soll, sie sitzen ganz einfach da und erleiden dies. Ich glaube, davon hat der österreichische Bundeskanzler genug gehabt, und gesagt: „Also Leute, das reicht jetzt doch!“ Und ich glaube, er hat Recht, ich teile seine Meinung also. Irgendetwas stimmt nicht, denn es gab die Vereinbarung, die persönlich getroffene Vereinbarung, wir alle 27 haben daran teilgenommen, dass der Impfstoff im Verhältnis zur Bevölkerungszahl verteilt wird. Dies wird in der Brüsseler Sprache als „Pro rata“ bezeichnet, aber wir sehen dies nicht. Es gibt Länder, die bekommen mehr, und es gibt solche, die erhalten weniger. Wenn wir keinen östlichen Impfstoff bestellt hätten, wenn wir die 3,5 Millionen Dosen nicht bestellt hätten, mit denen wir bereits 500 tausend Menschen auch schon geimpft haben, würden wir in großen Problemen stecken. Wir stecken nur deshalb nicht in Problemen, weil in unseren Köpfen im November die Alarmglocken schrillten, ich habe das Durcheinander gesehen, und da haben wir im November die Verhandlungen über den Kauf von Impfstoffen aus anderen Quellen begonnen – weshalb uns die Linke, die ungarische Linke und von Zeit zu Zeit auch die internationale Linke kritisiert, obwohl sie meiner Ansicht nach in erster Linie jenen außenpolitischen und epidemiologischen Experten ihre Anerkennung aussprechen sollten, die das Problem gespürt, es vorausgesehen und rechtzeitig eine Entscheidung getroffen haben.

Ungarn, die ungarische Regierung hat die russischen und die chinesischen Impfstoffverträge veröffentlicht. Warum mussten diese veröffentlicht werden, die Europäische Union hat ja ihre Verträge auch nicht öffentlich gemacht?

Nun, gerade deshalb, glaube ich. Zuerst einmal hat es die Linke gefordert, dass wir sie veröffentlichen sollen, und da sich in den Verträgen keine Passagen finden, die diese unter Verweis auf die Interessen der Hersteller oder der Zulieferer zu nicht öffentlichen geschäftlichen Angaben machen würden, haben wir dies machen können. Häufig kommt in den Verträgen unter Hinweis auf die Interessen der den Vertrag abschließenden Geschäftspartner eine Klausel vor, denn der Zulieferer ist anders nicht bereit, den Vertrag zu unterschreiben, nach der die wirtschaftlichen Daten, der Kaufpreis und die Einzelheiten über die Lieferung nicht an die Öffentlichkeit gelangen dürfen.

Dies führt also als Begründung die EU an.

Das sagt die EU, aber meiner Ansicht nach war es ein Fehler, solch einen Vertrag zu unterzeichnen, denn man konnte ja wissen, dass es Diskussionen geben würde, und in einer Diskussion hilft nur die Öffentlichkeit. Jetzt gibt es zwei Diskussionen. In der einen der Diskussionen geht es darum, was die Brüsseler Bürokraten falsch gemacht haben. Das ist eine schön lange Liste. Sie können sich auch nicht verteidigen, weil sie die Verträge nicht veröffentlichen können oder wollen. Sie müssten mit Hilfe der Verträge beweisen, dass sie gut verhandelt haben, mit der notwendigen Sorgfalt vorgegangen sind und Verträge abgeschlossen haben, die den Interessen der europäischen Menschen dienen. Deshalb müssten sie sie veröffentlichen, doch im Vergleich dazu fordern wir dies, und sie tun es nicht. Die andere Debatte, die man vorher wissen konnte, gibt es wegen des Geldes. Denn die Pharmafirmen, wir sprechen hier ja über gewaltige Summen, für uns ist jetzt aber das Leben der Menschen, die Impfung und die Versorgung im Krankenhaus wichtiger, weshalb dieser Gesichtspunkt in unseren Köpfen nach ziemlich weit hinten gedrängt worden ist. Wenn sie im Übrigen mehr für den Impfstoff verlangt hätten, wären – unter uns gesagt – auch mehrere von uns bereit gewesen, mehr zu zahlen, ich will jetzt hier nicht öffentlich unsere Verhandlungspositionen schwächen, doch in solchen Momenten geht es um Leben. Was nicht absolut irreal ist, das muss man in solchen Situationen zahlen, denn wenn man für Geld Leben kaufen kann, dann würde man auch sein letztes Hemd hergeben. Doch konnte man wissen, dass die Pharmafirmen miteinander im Wettbewerb stehen werden: Wer den besseren Impfstoff hat, wer mehr verkaufen kann, wer zu einem besseren Preis verkaufen kann. Das sind Diskussionen, die laufen und die im Gewand von ärztlichen Fachfragen erscheinen, wobei mein Verdacht ist, dass diese meist eher finanzielle Diskussionen sind, also die Kampagne gegen AstraZeneca, ja jetzt wird es vielmehr allgemein sein, dass die meisten Impfstoffarten plötzlich an irgendeinem Punkt der Welt durch jemanden angegriffen werden, und wir können uns darüber sicher sein oder wir können zumindest den starken Verdacht hegen, dass hinter solchen Angriffen auch immer finanzielle Interessen stecken. Hierauf hätte sich die EU vorbereiten müssen, und sie kann sich nicht anders verteidigen, als dass sie die Verträge vorzeigt. Jetzt befinden sich die Unglücklichen in der Lage, natürlich sind in Wirklichkeit wir die Unglücklichen, also diese Brüsseler Bürokraten sind in der Situation, dass sie sich in Ermangelung der Öffentlichkeit der Verträge nicht gegen die Anklage verteidigen können, sie hätten schlecht verhandelt, und auch nicht gegen den Vorwurf, sie seien in Wirklichkeit dem gegeneinander geführten wirtschaftlichen Kampf der Pharmahersteller ausgeliefert. Nur die Öffentlichkeit hilft.

Jetzt, nachdem sie diese Verträge veröffentlicht haben, kann man sich ja die Preise anschauen, wie viel der russische Impfstoff kostet und wie viel der chinesische Impfstoff kostet. Einzelne Parteien der Opposition sagen schon, wir hätten aber den chinesischen Impfstoff sehr teuer gekauft.

Ich wiederhole es, wenn wir kaufen könnten und ich müsste persönlich darüber entscheiden, ob wir morgen eine oder zwei oder drei Millionen Dosen Impfstoff teurer als der chinesische oder als sonst irgendein anderer kaufen könnten, dann würde der Herr Finanzminister diese Summe zur Verfügung stellen und wir würden ihn kaufen. Wir sprechen nicht über Geld. Natürlich kann man keine Preise akzeptieren, die in irreale Höhen aufsteigen, aber ich sage es noch einmal, wenn man für Geld Leben bekommen könnte, dann würde ich keinen Moment zögern.

Gestern ist die Nachricht erschienen, dass es in Erdőkertes einen Hausarzt gibt, Doktor Csaba Kiss, der nicht bereit ist, seine Patienten zu impfen. 2.500 Kranke gehören zu ihm. Aber man muss es sich nur ansehen, wie die oppositionellen Parteien kommunizieren, was sie auf ihre Social-Media-Seiten schreiben, wen sie sprechen lassen. Die feindliche Einstellung zur Impfung ist ständig auf der Seite der Linken präsent. Was ist der Grund dafür?

Tatsächlich haben auch wir damit zu kämpfen. Wir müssen also zugleich mit der Seuche und mit der Linken ringen, und die Linke kämpft nicht gegen den Impfstoff, sondern gegen uns. Dazu kann man natürlich sagen, man solle nicht weinen, denn die Politik ist ein solches Metier, oder so ein Genre, und darin steckt viel Wahrheit, doch man hofft ja trotzdem immer wieder auf etwas Besseres. Wenn also das Leben von Menschen auf dem Spiel steht, ist es moralisch gesehen ein untragbarer Tiefpunkt, ein inakzeptables Verhalten, aus dem Impfstoff Politik, eine politische Frage zu machen. Denken wir das Folgende bis zum Ende durch. Wir haben mehr als 500 tausend Menschen mit nicht westlichem, also chinesischem und russischem Impfstoff geimpft. Wenn wir diese Menschen nicht geimpft hätten, wären von ihnen mehrere hundert gestorben, dies kann man auf Grund der Statistiken leicht errechnen. Wie diese Linken es wohl mit ihrem Gewissen ausgemacht hätten, dass sie den Menschen die Impfung ausgeredet haben und daran mehrere hundert von ihnen gestorben waren?

Zugleich lassen sie sich impfen.

Und wie der Hausarzt damit mit sich in der Hinsicht ins Reine kommt, dass er gegen die Impfung ist, und weiß, und sieht, dass in Ermangelung des Impfstoffs die Menschen sterben. All diese Sachen, eine derartige Einstellung eines Hausarztes, das sind Probleme im System des ungarischen Gesundheitswesens. Also während die Linke natürlich Fakevideos herstellt und die Ärzte attackiert, und das ist keine schöne Sache, ist es auch nicht richtig, dass es zugleich auch unter den im Gesundheitswesen Arbeitenden Menschen gibt, die die Impfung ablehnen. Doch jetzt können wir dieses Problem nicht befrieden, das wird man besprechen, das wird man entscheiden müssen, wie dies in der Zukunft sein soll oder was wir hier machen wollen, aber jetzt ist nicht die Zeit dafür, sondern wir müssen jetzt das Problem lösen, dass sowohl in Erdőkertes als auch an jedwedem Punkt des Landes, wo es gegen die Impfung eingestellte Ärzte gibt, die Menschen den Impfstoff erhalten können. Die Menschen sollen den Impfstoff erhalten können, denn jetzt ist es nicht die Zeit, um Leute zur Verantwortung zu ziehen, sondern um zu arbeiten, man muss also die Menschen versorgen und ihnen ermöglichen, sich unabhängig davon impfen zu lassen, ob im Übrigen die Linke oder einige Ärzte gegen die Impfung eingestellt sind.

Einzelne Elemente des Aktionsplans zum Neustart haben bereits begonnen, schon in dieser Woche konnte man bei der Entwicklungsbank jenen Kredit über zehn Millionen Forint zu null Prozent Zinsen beantragen, den man ja erst nach drei Jahren zurückzuzahlen beginnen muss. Womit kann man noch rechnen?

Nun, zunächst einmal müssen wir über die konkreten Maßnahmen hinaus auch langfristig nachdenken. Langfristig müssen wir daran denken, nicht noch einmal in so eine Lage zu geraten. Der Neustart ist also wichtig, doch müssen wir uns dabei absichern, dass wenn wir einmal neu gestartet haben, wir nicht noch einmal in so eine Situation geraten. Bereits im Frühling haben wir einige Lektionen darüber gelernt, dass wir keine eigene Maskenfabrik, keine eigene Handschuhfabrik, keine eigene Fabrik für Beatmungsgeräte haben. Jetzt haben wir dies gelöst, es gibt sie jetzt, Ungarn kann sich also selbst versorgen. Jetzt lernen wir ja jene Lektion, dass wir keine Impfstofffabrik und keine eigene Impfstoffherstellung besitzen. Deshalb machen wir jetzt zwei Dinge. Zunächst einmal entwickeln ungarische Wissenschaftler Impfstoff. Das geht seinen klinischen Weg, es befindet sich in irgendeiner klinischen Phase. Langsamer als die mit gewaltigen Summen arbeitenden multinationalen Firmen werden aber auch unsere Wissenschaftler die ungarische Version des Impfstoffs gegen das Coronavirus entwickeln können. Dies wird zwar noch eine lange Zeit in Anspruch nehmen, jetzt sind sie vielleicht bei den Hamstern oder ich weiß nicht wo mit den Tierversuchen, aber sie kommen mit dieser Arbeit voran. Das muss man durchführen, auch wenn es auf dem Markt im Übrigen Impfstoff geben wird, der nicht in Ungarn entwickelt worden ist. Wir möchten über so einen Impfstoff im kommenden Zeitraum verfügen. Wir erleben die Epoche der Epidemien. Das ist die erste, die Vogelgrippe mitgerechnet die zweite große Welle, und wir haben allen Grund anzunehmen, dass es zum Ausbruch auch weiterer Epidemien kommen kann, deshalb müssen wir uns darauf vorbereiten. Die andere Sache ist, dass die Fertigungskapazitäten notwendig sind. Das Problem ist also nicht nur, dass wir noch keinen selbst entwickelten Impfstoff besitzen, sondern wir verfügen auch über keine Herstellungskapazitäten in einer Fabrik, mit denen wir für 10 Millionen oder 15 Millionen Ungarn den notwendigen Impfstoff herstellen könnten. Wir errichten jetzt eine große Fabrik in Debrecen. In einem Jahr wird sich Ungarn bereits mit Impfstoff selbst versorgen können, und ich bin mit dem israelischen Ministerpräsidenten übereingekommen, dass wir gemeinsam auch eine Fabrik in Israel errichten. Es wird also eine Fabrik in Israel geben, an der Ungarn einen Teilbesitz hat, und wir werden auch außerhalb des Territoriums der EU Impfstoff herstellen, denn es ist besser, wenn man auf beiden Beinen steht, als wenn man nur auf einem Bein balanciert. Wir haben uns also auf die Zukunft vorbereitet, aber dahin muss man auch erst hingelangen. Diese Langfristigkeit ist also eine schöne Sache, aber hier haben wir auch die Herausforderung der Neustarts. Hier haben wir ja alles getan, was getan werden konnte. Und ich treffe sehr viele Menschen, und sie sind in keinem glücklichen Zustand. Ich muss sagen, die Heiterkeit ist kein Bestandteil unseres Alltags, wenn man ein Blumenhändler, wenn man ein Friseur ist, wenn jemand im Dienstleistungssektor arbeitet und jetzt wegen des Lockdowns die Kundschaft ausgeblieben ist, und man sich ernsthaften geschäftlichen, wirtschaftlichen Problemen gegenübersieht. Ich fühle also mit ihnen und wir werden alles im Interesse dessen machen, damit sie diesen schwierigen Zeitraum überbrücken können. Dazu sind zwei Dinge notwendig, damit dieser Zeitraum kurz ist. Die gegen die Impfung gerichtete Kampagne muss also auch die Linke beenden und auch die spinnenden Ärzte, Verzeihung, dass ich auf diese Weise über sie spreche, aber sie haben ihren nüchternen Verstand verloren, obwohl sie Ärzte sind, auch sie müssen mit der gegen die Impfung gerichteten Kampagne aufhören, denn hierdurch kann man den Zeitraum des Lockdowns abkürzen. Die andere Sache ist die, dass wir für diesen Zeitraum die Finanzhilfen gewähren. Wir geben eine Lohnunterstützung, man muss keine Steuern zahlen, man muss keine Miete zahlen, es gibt also die entsprechenden Maßnahmen, diese haben wir auch veröffentlicht, mit denen wir ihnen helfen können. Danach müssen wir versuchen, zu öffnen, damit das Leben in seinen gewohnten normalen Gang zurückkehren kann.

Wann kann laut dem Plan die Wiederöffnung beginnen?

Wenn es jemanden gibt, der bereit ist, dies vorauszusagen, den sollten wir auch nach den Lottozahlen der nächsten Woche fragen. Ich muss sagen, niemand oder nur sehr wenige Menschen hatten – sagen wir im November, als die zweite Welle stärker wurde – gedacht, es würde nicht ausreichen, die zweite Welle aufzuhalten, da es eine dritte geben wird. Diese verursachen ja die Mutanten. Wenn ich also jetzt unsere Professoren richtig verstehe, dann geht es darum, dass sich auch das Virus gegen die gegen es eingeleiteten Schritte verteidigt, also auch es antwortet darauf. Wir haben es ja mit dem Impfstoff angegriffen, wir sind ja jetzt im Gegenangriff, und es verteidigt sich jetzt, und es macht dies auf die Weise, dass es immer neuere Mutanten herzustellen versucht. Es ist die große Frage der Zukunft, ob die inzwischen entwickelten Impfstoffe uns auch gegen die später noch entstehenden weiteren Mutanten schützen oder nicht. Wenn die Antwort „ja“ lautet, dann ist das die optimistische Antwort, dann können wir bald öffnen. Wenn eine Mutante auftaucht, der gegenüber unsere bisherigen Impfstoffe wirkungslos sind, dann finden wir uns in einer vollkommen neuen Situation. Bisher, damit wir über die Erfahrungen und nicht über unsere Ängste sprechen, bisher zeigen die Erfahrungen, dass die in Ungarn erhältlichen fünf Arten von Impfstoff – übrigens sind auf der ganzen Welt in Ungarn die meisten verschiedenen Arten von Impfstoff erhältlich und in ganz Europa stehen wir auf Platz eins-zwei hinsichtlich der Durchgeimpftheit, wenn es also so eine Disziplin gäbe, die es aber nicht gibt, denn jedes Leben zählt ja, aber wenn es so eine Disziplin gäbe, dann würden wir bei weitem um einen Platz auf dem Podest kämpfen –, also geben die bisher entwickelten und in Ungarn erreichbaren Impfstoffe auf alle bisher bekannten Mutationen eine gute Antwort, sie schützen vor allen Mutationen. Das ist die Lage. Wenn wir davon ausgehen, müssen wir nur noch einige Wochen aushalten. Wenn eine neue Mutante erscheinen sollte, müssen wir einen neuen Aktionsplan verkünden.

Morgen haben wir den 15. März, und wenn ich mich richtig erinnere, dann muss bereits das zweite Mal die Feier verschoben werden, schon letztes Jahr konnte man sie nicht abhalten, eben weil die Epidemie das nicht zuließ. Zugleich hören wir darüber, dass es Kräfte gibt, die eine Großveranstaltung durchführen möchten. Was ist Ihre Meinung darüber?

Schauen Sie, unserer Generation steht der 15. März besonders nahe. Doch sind wir nicht mehr jung. Ich hoffe, es ist uns gelungen, hiervon etwas auch an unsere Kinder weiterzugeben, und jetzt auch noch an unsere Enkel. Wir versuchen gemeinsam eine Kokarde zu basteln. Doch unsere Generation erinnert sich noch daran, dass das Lied 364 Tage im Jahr lautete: „Es lebe der Sozialismus, es lebe Moskau!“ Und wir haben darauf gewartet, dass ein Tag kommt, der 365. am 15. März, an dem auch die Kommunisten nichts tun konnten, denn im ganzen Land zitierte ein jeder den historischen Spruch: „Es lebe die ungarische Freiheit, es lebe die Heimat!“ Und ein jeder dachte, die Sowjets sollten jetzt aber schon zurück nach Hause gehen, und auch die Kommunisten sollten sich irgendwohin verziehen. Und das gab uns jedes Jahr Kraft. Und wir dachten, solange es genug von uns in Ungarn gibt, die am 15. März sagen, „Es lebe die ungarische Freiheit, es lebe die Heimat!“, solange haben die Kommunisten keine Chance. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir sie aufgerieben, umgestürzt und aus dem Weg geschafft haben werden. Und das ist auch geschehen. Meiner Ansicht nach hätte man ohne die Tradition des 15. März den Systemwechsel nicht vollziehen und wir hätten unsere Freiheit nicht wiedererlangen können. Ich pflege also immer daran zu denken, dass es diesen pathetischen Gedanken gibt, sie wären nicht umsonst gestorben, sagen wir die 13 Märtyrer von Arad. Und man sagt das so vor sich hin, ist aber nicht immer davon überzeugt, wie man das genau sich vorstellen muss. Und unsere Generation weiß genau, wie man sich das denken muss. Das muss man sich so vorstellen, dass sie nicht umsonst gestorben sind, dass viele Jahrzehnte später, 1990 auch ihre Tradition, ihr Andenken, ihre seelische Kraft uns auch dabei geholfen hat, unsere eigene Freiheit wiederzuerlangen. So baut sich eine Nation auf. Ich muss also sagen, der 15. März ist wichtig, natürlich ist da der 23. Oktober, der ebenfalls sehr wichtig ist, und natürlich die Staatsgründung, denn wir wären nirgendwo, wenn es keinen Heiligen Stephan gegeben hätte, doch besitzt der 15. März eine eigentümliche Stimmung, einen eigentümlichen Geschmack. Dies entlockt einem doch die Sätze: „Es lebe die ungarische Freiheit, es lebe die Heimat!“ Die Politiker versuchen immer angestrengt, irgendeine Parallele zwischen der damaligen Zeit und der Gegenwart herzustellen. Hier muss man sich eben nicht damit versuchen und keine angestrengten Versuche unternehmen, denn auch jetzt steht unsere Freiheit auf dem Spiel, nur kämpfen wir jetzt gegen so einen gemeinen, niederträchtigen Feind. Dieses moderne Zeitalter ist eher so als jenes von 1848-49, als klare und offene Verhältnisse herrschten, die Männer sich offen gegenüberstanden und kämpften. Jetzt kämpfen wir gegen einen hässlichen Feind, der aber genauso unsere Freiheit gefährdet, wie 1848-49 die Wiener Willkür unsere Freiheit gefährdete. Wir müssen also nach keiner Parallele suchen, sie ist hier vor uns. Wenn wir unsere Freiheit zurückgewinnen wollen, dann müssen wir unsere Heimat lieben, dann darf man der Parteipolitik keine Priorität vor den Angelegenheiten der Nation einräumen. Auch die Opposition, auch die Linke muss verstehen, dass die Heimat nicht in der Opposition sein kann. Wenn es Probleme gibt, dann gibt es nur die Heimat, nur die Unabhängigkeit und die Freiheit. Und wenn wir zusammenhalten, dann werden wir unsere Freiheit auch jetzt 2021 zurückgewinnen.

Vielen Dank! Sie hörten Ministerpräsidenten Viktor Orbán.