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Viktor Orbáns Rede auf der Eröffnung der 89. Internationalen Landwirtschaftsmesse in Novi Sad

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

Ich begrüße recht herzlich die Aussteller, und ich begrüße auch die Vertreter der lokalen serbischen Politik. Im Normalfall müssten wir beide jetzt in den Flitterwochen sein, denn auch der Herr Präsident hat seine Wahlen gewonnen, und ich habe auch die meinen gewonnen, und in solchen Momenten steht einem sorglose Erholung zu. So I said it was our honeymoon not exactly what we had expected. Doch leider sehen diese Flitterwochen nicht ganz so aus, wie sie ausschauen sollten. Sie sehen die galoppierende Inflation, die steigenden Preise, die an vielen Punkten der Erde drohende Hungersnot und sie sehen die militärischen Auseinandersetzungen auf dem Territorium der Ukraine. Es ist aber eine gute Nachricht, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass ich aufgrund der mit Ihrem Präsidenten vorhin geführten Gespräche sagen kann, Ungarn kann auf Serbien zählen. Wir beide sind stark in der Landwirtschaft. Eigentlich stellen Serbien und Ungarn für Europa wichtige Lebensmittelreserven dar, und der Herr Präsident hat uns versichert, sollte es Probleme in Ungarn geben, dann können wir auf Serbien zählen, und auch ich habe die Verpflichtung übernommen, dass wenn es hier Probleme geben sollte, dann können Sie auf Ungarn zählen. Sicher ist also, dass diese beiden Länder in Sicherheit sind – ganz gleich, ob es um Gas oder um Produkte der Lebensmittelindustrie geht. Ich bin dem Herrn Präsidenten dankbar für diese Vereinbarung!

Liebe Serbische Gastgeber!

Ich sehe auch, dass sich Serbien auf den Winter vorbereitet hat. Der Winter wird schwierig, vielleicht schwieriger, als sich das viele vorstellen. Wir müssen uns gründlich vorbereiten, und so wie ich das sehe, ist Ihnen dies gelungen. Auch wir befinden uns auf dem rechten Weg, aber es gibt noch einige Entscheidungen, die wir in der folgenden Woche treffen müssen. Hinzu kommt noch, dass dieser militärische Konflikt auf dem Gebiet der Ukraine uns beide in eine schwierige Situation bringt.

Lieber Herr Präsident!

Ihr habt es schwer, weil Ihr nicht Mitglied der Europäischen Union seid, und wir haben es schwer, weil wir ihr Mitglied sind. Es ist schwierig, hier klug zu sein, meine lieben Freunde, doch wie es sich auch gestaltet, eine Sache ist sicher, diese beiden Länder können aufeinander zählen, und was für Debatten es auch innerhalb oder außerhalb der EU geben wird, wir werden alles im Interesse dessen unternehmen, um unsere Standpunkte aufeinander abzustimmen und einander nicht nur auf den heimischen Foren, sondern auch auf den internationalen zu unterstützen. Wenn ich die Zahlen richtig sehe, stand die serbisch-ungarische wirtschaftliche Zusammenarbeit noch nie so gut da wie jetzt. Wir danken Ihnen für die Möglichkeit und erwarten Sie im Übrigen in Ungarn, wir erwarten die serbischen Händler und die serbischen Investoren. Unsere großen Programme schreiten gut voran. Der Herr Präsident hat mir die Ehre zuteil werden lassen, dass er mich zur Übergabe des ersten Abschnittes der Eisenbahnlinie Budapest-Belgrad eingeladen hat. Es wäre für Sie lohnenswert, darüber nachzudenken, wie viele Stimmen diese Investition kritisiert haben, ob sie einen Sinn hätte, und jetzt, da der Transport über die Ukraine vollkommen unsicher geworden ist, erlebt jene unsere frühere Entscheidung eine Aufwertung, dass die aus den griechischen Häfen nach Europa führende Eisenbahnlinie zur wichtigsten Route für Europa geworden ist. So ist die Politik. Es gibt Entscheidungen, die sind in dem gegebenen Moment dubios, dann vergehen ein-zwei Jahre, und plötzlich stellt sich heraus, dass sie sehr wohl ihren Sinn gehabt haben. So ist auch unser größtes Flaggschiff, unsere gemeinsame Investition.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich danke Ihnen, dass Sie mich hierher, zu sich eingeladen haben. Dies ist für uns eine wichtige Ausstellung. Ich habe in die alten Geschichtsbücher hineingeblättert, und ich habe gesehen, 1923 lebte hier in Novi Sad ein Mann namens Gyula Hegyi, der hier in Novi Sad der Direktor der hiesigen Planen-, Seil- und Sackfabrik war, und er schlug vor, dass diese Messe aus der lokalen Dimension hervortreten und in eine nationale und internationale Dimension eintreten sollte. So dass wir uns freuen, dass wir hier nicht nur ausstellen dürfen, sondern dass nicht nur Sie, sondern auch wir mit dem Ideengeber etwas zu tun haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Uns alle beschäftigt die gleiche Frage: Wird es Kraftstoff geben, und wenn ja, dann zu welchem Preis, wo werden die Preise in einigen Monaten sein, und werden wir in der Lage sein, unsere eigenen Bürger zu versorgen? Ich würde hier die serbischen Aussteller und unsere Gastgeber damit ermutigen, dass wenn sie zurückdenken, 2020 und 2021 waren die Krankenschwestern und die Ärzte die Helden. Und wenn ich es genau betrachte, was uns bevorsteht, dann kann ich ruhig sagen, die Helden dieses Jahres und der kommenden werden die in der Landwirtschaft Arbeitenden sein, die unter sehr schwierigen Umständen werden arbeiten, ihren Mann stehen und sich den schnell verändernden Bedingungen werden anpassen müssen, und es wird von Ihnen, den in der Landwirtschaft Arbeitenden abhängen, ob es Brot auf dem Tisch geben, ob es Hunger in der Welt geben wird, ob wir in der Lage sein werden, die Menschen zu versorgen. Es ist unser Interesse, meiner Ansicht nach auch das der Serben, aber mit Sicherheit das der Ungarn, dass wir einen jeden in der Welt mit Brot versorgen können, denn wenn das nicht gelingt, dann gehen gewaltige Massen Richtung Europa los – nunmehr nicht mehr nur in der Hoffnung auf ein besseres Leben, wie wir das jetzt erleben, sondern in der Hoffnung auf das Überleben. Und dann wird jene Migration, die es bisher gab, ein Kindermärchen im Vergleich zu dem sein, was hiernach folgen wird, und dies wird weder Serbien noch Ungarn verschonen. Wenn wir das Übel an seiner Wurzel anpacken wollen, dann muss man diese Länder, die dort lebenden Menschen dort vor Ort halten, und die erstrangige Vorbedingung dafür ist, dass sie etwas zum Essen haben. Gerade deshalb, Sie können das sehen, akzeptiert Ungarn keine Brüsseler Entscheidungen, die wirtschaftlich irrational sind, und die zum Beispiel auch in Ungarn einen Anstieg der Preise bedeuteten, die es unmöglich machen würden, unsere gesamte landwirtschaftliche Kapazität zu nutzen. Ungarn ist ein Land mit einer Bevölkerung von zehn Millionen Einwohnern, doch wenn wir gut wirtschaften, dann können wir auch zwanzig Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgen, doch dazu ist notwendig, dass man mit allen Arten von unbedachten Maßnahmen, mit derartigen Sanktionen gegen Russland, die die ungarische Wirtschaft kaputtmachen, die einer Atombombe gleichkommen, mit diesen darf man die ungarische Wirtschaft nicht belasten, denn dann werden wir nicht nur Ungarn nicht versorgen können, sondern auch jene Menschen nicht, die dann später als Migranten an unseren Grenzen erscheinen. Also Rationalität, Rationalität, Rationalität! Die Politik ist natürlich wichtig, auch den Krieg kann man nicht außer Acht lassen, doch in der Wirtschaft benötigen wir jetzt rationale Entscheidungen, denn ansonsten wird es große Probleme geben, und wenn auch nicht in Serbien und in Ungarn, sondern in anderen Teilen der Welt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich bin ein Mann vom Dorf. Ich will Sie nicht mit meinen eigenen Sachen langweilen, aber ich stamme aus einem Dorf mit 1.800 Einwohnern. Dörfer geben Ungarn selten einen Ministerpräsidenten, aber manchmal rutscht einer rein, und bei uns war es immer Gesetz, und ist auch jetzt Gesetz, dass wenn es Boden gibt, dann muss er bearbeitet werden. Boden darf nicht unbebaut, ein Obstgarten darf nicht ungepflegt bleiben: Die Arbeit muss immer verrichtet werden. Ich wünsche den hier Anwesenden, dass sie dieses alte Gesetz, ganz gleich welche Gefahren es auch geben mag, nie außer Acht lassen, es nie verletzen, es ist unsere Sache, die der auf dem Land Lebenden, dass das Land, der Boden bebaut sei. Das ist sicherlich nicht nur in Ungarn so, sondern auch in Serbien. Ich wünsche den Ungarn und den Serben, dass sie dieses alte Gesetz werden einhalten können, viel Kraft, viel Erfolg! Danke, dass ich hier sein darf bei Ihnen, und ich bin Ihrem Präsidenten noch einmal dankbar dafür, was er im Interesse der serbisch-ungarischen Freundschaft getan hat, und was er, so meine Hoffnungen, auch in den kommenden Jahren tun wird. Gott schütze Serbien!