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Viktor Orbáns Interview in der Sendung „Guten Morgen Ungarn” von Radio Kossuth

Katalin Nagy: Im Studio anwesend ist Ministerpräsident Viktor Orbán. Was denken Sie, wie sehen Sie es, warum geschah es, dass nach der Sitzung des Europäischen Rates jetzt, vor einigen Tagen, der ukrainische Präsident auch im dänischen Parlament die dort Sitzenden darum gebeten hat, Druck auf Ungarn auszuüben und Ungarn solle Waffen durchlassen und die Gashähne zudrehen? Guten Morgen!

Guten Morgen! Wir müssen die Anstrengungen des ukrainischen Präsidenten mit Verständnis aufnehmen, denn seine Heimat steckt in der Not, und er hofft, dass da die ihm gegenüberstehende Kraft viel größer ist als er, Russland repräsentiert eine viel bedeutendere und ernsthaftere militärische Kraft als die Ukraine, er aus dieser bedrängten Lage so herauskommen kann, wenn er auch andere in den Krieg miteinbezieht. Das können wir ihm nicht vorwerfen, ich jedenfalls werfe es ihm nicht vor, schließlich achtet er auf die ukrainischen Interessen und versucht seiner eigenen Heimat zu helfen. Ich stehe mit ihm auch in keiner Diskussion. Mit wem wir eine Diskussion haben, das ist die ungarische Linke, die dem ukrainischen Präsidenten entsprechen möchte. Dieser Krieg ist nicht unser Krieg, hier können wir nichts gewinnen, aber alles verlieren, und wir können den Ukrainern nicht helfen, indem wir, indem wir uns dabei selbst kaputtmachen, Ungarn zerschießen lassen oder unsere Wirtschaft kaputtmachen, indem wir an keine Energiequellen gelangen, die aus Russland kommen. Dass die Ukraine eine internationale Kampagne führt, ist in dieser Kriegssituation vollkommen zu verstehen. Wir verurteilen den russischen Angriff, doch können wir den Ukrainern nicht auf die Weise helfen, dass wir uns selbst dabei auch kaputtmachen.

Ist das Argument akzeptabel, dass jene Länder den Krieg Putins finanzieren, die der Ukraine nicht helfen? Es gibt da nicht nur allein mit Ungarn dieses Problem. Bulgariens Präsident sagte, er möchte nicht in diesen Krieg einbezogen werden. Der sagt das Gleiche wie Ungarn, nicht?

Es gibt in dieser Arena auch große Jungs, am meisten die Deutschen. Es gibt Länder, deren Geschichte sich so gestaltet hat, dass sie über keine Aufnahme- und Transportkapazitäten verfügen, die es ermöglichen würden, Öl und Gas nicht aus Russland zu importieren. Deutschland würde dies große Schwierigkeiten bereiten, selbst wenn es sich vom russischen System abkoppeln wollte, nimmt dies Jahre in Anspruch. Ähnlich geht es Österreich, so geht es den Bulgaren, da sind wir, und als keine EU-Mitglieder, aber so geht es auch den Serben. Also z.B. haben nicht wir entschieden, dass Ungarn kein Meer besitzen soll. Also auch ich würde mit Freude jene Vorschläge entgegennehmen, dass wir das Flüssiggas bzw. das Öl in unsere eigene Meereshäfen, auf Tankern transportieren sollten. Doch hat sich unsere Geschichte derart gestaltet, dass wir unsere Meereszugänge verloren haben, wir haben nicht die erwähnten Möglichkeiten, das Öl und das Gas kommt in Rohren: Wenn sie kommen, dann gibt es sie, wenn sie nicht kommen, gibt es sie nicht. Es geht also nicht darum, dass wir dann am Abend einen Pullover überziehen könnten und die Heizung ein bisschen herunter drehen, wie das einige Neunmalkluge dort im Westen glauben, oder wir einige Forint mehr für das Gas zahlen und wenn wir tanken, sondern es geht darum, dass wenn aus Russland keine Energieressourcen kommen, dann gibt es keine Energie in Ungarn. Ich sage nicht, die Frage sei Sein oder Nichtsein, aber das Funktionieren oder das Nichtfunktionieren der Wirtschaft ist hier die Frage. Die ungarische Wirtschaft kann ganz einfach ohne solche Energieressourcen nicht funktionieren, und es ist einfacher, uns anzupöbeln, als die Deutschen. Ich habe auch einen Artikel gelesen, in dem es darum geht, dass wenn der ukrainische Präsident „Ungarn“ sagt, man darunter „Deutschland“ verstehen muss.

Ja, aber der Fachmann verweist darauf, dass im Grunde acht-zehn Tage vollkommen ausreichen würden, damit die ungarische Wirtschaft erschüttert wird, in ihrem vollen Umfang erschüttert wird, wenn diese Gashähne abgedreht werden würden. Warum akzeptieren dies andere Länder nicht? Zugleich können sie sehen, dass man auch schon in Deutschland gesagt hat, man dort eine gewisse Notsituation angekündigt hat, denn über ein Rohr, nicht wahr, kommt kein Gas.

Man akzeptiert das. Auf dem letzten Gipfel der EU hat das deutsch-österreichisch-ungarische Trio sehr klar formuliert, und wir haben eindeutig gemacht, dass Sanktionen, die sich auf die Energie erstrecken würden, nicht vorstellbar sind. Für uns lohnt es sich nicht, wir haben eine billige russische Energie, Gas, und dann sollen wir diese abschalten, und dann sollen wir anstelle dieser teure amerikanische haben. Das ist an sich schon eine „ausgezeichnete“ Idee, wenn ich aber noch hinzufüge, dass wir nicht wissen, auf welche Weise das amerikanische Flüssiggas nach Ungarn gelangt, das per Schiff transportiert wird, über das Meer, wenn ich das dazunehme, dann ist deutlich erkennbar, dass dies unhaltbare Vorschläge sind. Ungarn wird also an seinem Standpunkt festhalten. Das Problem besteht mit der Linken, die meiner Ansicht nach im Hintergrund bereits ihr eigenes Abkommen mit den Ukrainern abgeschlossen hat und wenn sie am Sonntag gewinnen sollten – das sind Wahlen, die noch nicht gelaufen sind, man kann dies überhaupt nicht ausschließen –, dann würden einerseits die Waffenlieferungen in die Ukraine beginnen und andererseits würden sie das aus Russland kommende Öl und Gas abdrehen, und dadurch Ungarn kaputtmachen. Das ist riskant, das ist gefährlich, die Linke spielt mit dem Feuer.

Doch was ist gut daran, dass der Ministerpräsidentschaftskandidat der Opposition an einem Tag sagt, er habe nicht gesagt, man müsse die ungarischen Jugendlichen in den Krieg schicken, und am anderen Tag sagt er, die ungarischen Jugendlichen lieben das Blut mehr als das Öl? Warum spricht er einander entgegengesetzte Sätze?

Anfangs habe ich versucht, diese einander widersprechenden Gedanken zu verstehen, doch habe ich das aufgegeben, denn sie kamen in einer Menge, dass man mit nüchternem Verstand dies nur schwer verfolgen konnte, ich würde mich auch nicht mit dem Ministerpräsidentschaftskandidaten der Opposition bzw. der Linken beschäftigen, wenn sich ihn jemand anhört, was er sagt, kann man sich seine eigene Meinung bilden.

Um auf die Wirtschaft doch noch zurückzukommen, denn das ist eine sehr wichtige Frage. Die Analysten sprechen davon, dass nicht nur die europäische Wirtschaft infolge der Sanktionen erschüttert werden könnte, vor allem, wenn sich dieser kriegerische Konflikt hinzieht, sondern die gesamte Weltwirtschaft könnte durch eine ernsthafte Veränderung erschüttert und in Mitleidenschaft gezogen werden. Was ist Ihre Meinung darüber?

Meine Meinung ist, dass wir vor einer bedeutenden und tiefen europäischen Wirtschaftskrise sind. Deren Übel, die Wurzeln des Übels reichen tiefer als der russisch-ukrainische Krieg. Die europäische Wirtschaft hat ein allgemeines Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kommt noch, dass sich Europa mit einer Umstellung, einer technologischen Umstellung versucht, es wollte auch schon unabhängig vom Krieg die so genannten fossilen Energiequellen aus dem System der Wirtschaft ausschließen, die Kohle, das Gas und das Öl, und das hat es bzw. das hat die Europäische Union auf die Weise erreichen wollen, indem sie die Preise erhöht. Die Energiepreise gehen also nicht von selbst hoch, das ist die Folge der Entscheidung europäischer, der Brüsseler Bürokraten. Das hat an sich eine Erschütterung hervorgerufen. Dazu kam jetzt auch noch der Krieg, der an sich schon ein Übel gewesen  wäre, doch nachdem die Europäische Union mit Sanktionen geantwortet hat, worüber wir uns nie gefreut haben, wir haben das nie unterstützt, aber akzeptiert, denn im Interesse der europäischen Einheit standen wir so dazu, dass wir das auch dann nicht verhindern, wenn wir es für einen verfehlten Gedanken halten. Es kamen also die Sanktionen, und die haben den Energiepreisen einen Stoß versetzt, und die Energiekrise wird uns bald zu einer Wirtschaftskrise führen, innerhalb einiger Wochen oder Monate. Das werden wir irgendwie austricksen müssen, das müssen wir überstehen, es bedeutet also für die nächste Regierung eine ernsthafte Herausforderung, eine Aufgabe, die Wirkung der den europäischen hohen Energiepreisen entstammenden Wirtschaftskrise in Richtung Ungarns zu dämpfen, und wir diese Sache irgendwie überstehen. Dies wird dann die Frage nach den Wahlen sein, doch sehe ich die zunehmenden Falten auf der Stirn der führenden europäischen Politiker. Wir sind in einer Falle, wir haben Sanktionen gegen Russland angeordnet, dabei wollen wir die auf die Erhöhung der Energiepreise basierende Klimapolitik nicht aufgeben, und inzwischen steigen überall in der Welt auch unabhängig davon die Preise. Das ist eine Falle. Hinzu kommt noch, dass dies sich vorerst nur auf die Energie und die Preiserhöhungen erstreckt hat, doch jetzt, da auch die landwirtschaftlichen Arbeiten da sind, wir uns hier inmitten der landwirtschaftlichen Arbeiten befinden, ist auch die Getreideversorgung der Welt fraglich geworden. Wenn die Ukraine und Russland aus der Getreideversorgung der Welt entfallen, die Ukraine wegen des Krieges, und Russland, weil wir es unter Sanktionen gestellt haben, kann das eine Lebensmittelkrise in der Welt auslösen, in erster Linie in Afrika, doch kann dies eventuell auch hierher, nach Europa gelangen. Es können auch Dinge geschehen, mit denen wir nicht gerechnet haben, dass es im Fall bestimmter Lebensmittel sogar zu einem Mangel kommen könnte. Also die Wolken verdichten sich am Himmel.

Wie müsste man diese ungarische Lösung finden? Ich frage schon deshalb, weil die Opposition behauptet, dass wenn die Regierung ihre Arbeit nach den Wahlen fortsetzt, dann wird sie Beschränkungen einführen.

Es gibt immer eine Diskussion darüber, wie man Wirtschaftskrisen bewältigen muss. Ungarn hat in den vergangenen dreißig Jahren einige wirtschaftlich schwierige Zeiträume, auch Krisen erlebt, und wir wissen auch, welche politische Richtung die Krisen wie zu managen pflegt. Die Linke denkt in solchen Momenten immer deshalb an Beschränkungen, weil sie immer Beschränkungen anwendet. Die Beschränkung ist ein linkes Instrument zum Umgang mit der Wirtschaftskrise. Auf diese Weise haben sie die dreizehnte Monatsrente weggenommen, so haben sie einen Teil der Löhne weggenommen, so haben sie das System der Unterstützung vom Kauf von Wohnungen gestrichen, so haben sie das System der Unterstützung der Familien abgebaut. Das ist eine linke, wirtschaftswissenschaftlich gut ausgearbeitete, äußerst schmerzhafte und meiner Ansicht nach verfehlte Methode zum Umgang mit Krisen. Wir wenden dies niemals an, die nationale Seite ist anders: Sie wendet lieber in solchen Situationen eine Medizin an, die das Wirtschaftswachstum, die Steuersenkung in den Vordergrund stellt.

Ja, aber dazu ist doch Geld nötig, nicht wahr? Wir sehen, dass die ungarische Regierung bereits seit dem letzten Herbst Schritte unternommen hat, ganz gleich, ob wir an den Preisstopp des Benzins oder die Preismaximalisierung der grundlegenden Lebensmittel oder, sagen wir, das Einfrieren der Kreditraten denken. Welche Möglichkeiten, welchen Spielraum hat die Regierung also? Jetzt ist etwas Geld aus der EU gekommen, doch habe sie dies sicherlich dafür gegeben, um es für die Versorgung der hierhergekommenen mehr als einer halben Million, soviel sind ja schon gekommen, nicht wahr, beinahe einer halben Million Flüchtlinge zu verwenden.

Ja, aber ich vertraue niemals der EU, niemals den äußeren Kräften, sondern ich vertraue auf uns selbst. Geld gibt es dann, wenn wir arbeiten. Deshalb funktioniert die ungarische Wirtschaft heute gut und ich glaube, aus dem Grund kann die Regierungsseite die Wahlen gewinnen, weil wir im vergangenen Zeitraum eine Million von Arbeitsplätzen geschaffen haben. Und wenn es Arbeit gibt, dann gibt es alles, z.B. auch Geld. Ich kann mich gut daran erinnern, vor 2010 gab es massenhafte Arbeitslosigkeit in Ungarn, und heute gibt es mehr Stellen- und Arbeitsmöglichkeiten, als Menschen arbeiten können, es arbeiten etwa 4 Millionen 700 tausend Menschen. Denn aus Arbeit wird Geld, und mit Arbeit kann man die Krise bewältigen, deshalb wird die ungarische Regierung, wenn diese schwierige europäische Situation eintreten wird, in erster Linie danach streben müssen, die Arbeitsplätze zu bewahren.

Die Orbán-Regierungen, sowohl die zweite als auch die dritte, haben den Akzent immer auf den Schutz der Familien gelegt. Wie sehen Sie es, was muss noch unternommen werden, damit die Familien noch überlegter und überdachter, jedoch unter sich verbessernden Umständen ihr Leben leben können?

Jetzt müssen wir uns zuerst verteidigen, wir müssen also die Folgen des Krieges abwehren, man muss die Folgen der Brüsseler Energiepreiserhöhungen abwehren, und wir müssen die Folgen der sich wegen des Krieges neu strukturierenden, internationalen, wirtschaftlichen Veränderungen abwehren. Und danach müssen wir jene unserer Pläne verwirklichen, die wir uns noch vor der Pandemie und noch vor dem Krieg ausgedacht haben: Man muss die Unterstützung der Familien weiter verstärken. Es ist ein gutes System, das wir aufgebaut haben, man pflegt es in ganz Europa als Vorbild anzuführen, doch besitzt es einige Löcher, die gestopft werden müssen. Jetzt, da das Zeitalter der Befreiung von der Einkommenssteuer für die Jugendlichen unter 25 Jahren angebrochen ist, wird dies eine Wirkung darauf haben, dass die Jugendlichen arbeiten gehen, wird darauf eine Wirkung haben, wann und wie sie sich für ein Kind entscheiden, wann sie eine Hilfe zur Familiengründung brauchen, es wartet also noch Arbeit auf uns, um das System der Unterstützung der Familien zu komplettieren.

Für die Familien ist das Kind wichtig. Jetzt halten wir am 3. April parallel zu den Wahlen auch eine Volksabstimmung ab. Was ist Ihre Meinung darüber, dass die LGBTQ-Organisationen und die mit dem Soros-Netzwerk in eine Verbindung zu bringenden NROs die Wähler dazu ermuntern, bei dieser Volksabstimmung ungültig zu stimmen?

Tatsächlich, der Krieg ist über den Wahlkampf eingebrochen, er hat ihn zugedeckt, und die Volksabstimmung ist vollends in den Hintergrund gedrängt worden, was verständlich ist, denn zum wichtigsten Punkt dieser Wahlen ist doch die Frage des Friedens und des Krieges geworden. Die Menschen wollen den Frieden, die nationale Seite ist die Garantie für den Frieden, die Linke stellt meiner Ansicht nach ein Risiko für unseren Frieden und unsere Sicherheit dar, und das ist eine Frage solcher Tragweite, die bereits alles andere in den Hintergrund gedrückt hat. Im Vergleich dazu ist auch die Frage, ob die erfolglose Vergangenheit, die Gyurcsány-Ära von vor 2010 zurückkehren soll, oder wir das fortsetzen sollen, was wir in den vergangenen zwölf Jahren begonnen haben, auch das ist sekundär geworden, obwohl es sehr wichtig ist. Und die Menschen spüren auch, dass man dies einmal vermasseln kann, also werden wir am Sonntag 13 Stunden von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends haben, um die Zukunft Ungarns zu entscheiden. Da wird man entscheiden müssen, die Umfragen sind sekundär, diese 13 Stunden zählen. Wenn wir richtig entscheiden, dann retten wir unsere nächsten vier Jahre, wenn nicht, dann bringen wir uns selbst in Probleme. Jetzt wäre auch die Volksabstimmung eine Sache, die an sich schon herausragend wichtig wäre, wenn es nicht in dieser Situation zu ihr käme. Ich mache die Menschen überall darauf aufmerksam, dass sie es nicht zulassen sollen, dass dies unbeachtet bleibt, denn hier muss man über die Zukunft unserer Kinder entscheiden. Und in Westeuropa hat man es auch so begonnen, dass man auf so einen Genderwahn hin einfach abgewunken hat, sie dachten, dies sei keine Frage des Schutzes der Kinder, sondern eine Lifestylemode, es würde wieder aufhören. Dann hörte es nicht auf, sondern organisierte sich. Und heute beherrschen in der westeuropäischen Welt die Eltern nicht mehr die Frage der Erziehung ihrer Kinder, sie können deren Verlauf und das Tempo nicht bestimmen, was und wann z.B., in der Angelegenheit der sexuellen Aufklärung ihrem Kind vorgesetzt wird, weil die Druck ausübenden Gruppen, die Lobbyorganisationen sich organisiert haben, die großen liberalen Weltmedien sich hinter sie gestellt haben, die versuchen, unseren Kindern weiszumachen, dass die bei ihrer Geburt eingetretene Tatsache, ob sie Jungs oder Mädchen sind, veränderbar sei, und auf einige Probleme in ihrem Leben, von denen es in der Jugend viele gibt, würde gerade so eine Veränderung die Lösung bedeuten. Und die Eltern haben die Möglichkeit verloren, ihr Kind selbst mit diesen sehr schwierigen Fragen zu konfrontieren, und zwar dann und auf die Weise, wie sie es für richtig halten. Ungarn ist noch nicht in diese Situation hineingerutscht, Ungarn kann seine Kinder noch verteidigen, Ungarn kann dem Genderwahn noch eine Grenze ziehen – dann, wenn wir mit der Volksabstimmung die einfache Behauptung deutlich machen, dass der Vater ein Mann, die Mutter eine Frau ist und man soll unsere Kinder in Ruhe lassen, und dann können wir unsere Kinder und auch das Recht der Eltern auf sexuelle Aufklärung schützen. Das ist eine viel wichtigere Angelegenheit, als sie jetzt hier im Schatten des Krieges zu sein scheint.

Dieser Wahlkampf ist sehr lang. Eigentlich hat die Opposition bereits im vergangenen Jahr mit dem Wahlkampf begonnen – ich denke hier an die Vorwahlen –, doch sind hier, in den letzten Wochen oder Tagen sehr viele Mittel publik geworden. Auch solche, die sogar den Verdacht des Wahlbetrugs aufkommen lassen. Wie sehen Sie es, dass mehrere hunderttausend Menschen, die niemals ihre Namen und auch nicht ihre Adresse und auch nicht ihre Telefonnummer einer linken Partei, einer linken Organisation gegeben haben, auch eine SMS erhalten haben, in der sie mit ihrem Vornamen angeredet und gebeten werden, für die Veränderung zu stimmen?

Das ist eine schwerwiegende Angelegenheit. Ich habe bereits an den ersten Parlamentswahlen 1990 teilgenommen. Ich sehe die Wahlen also seit dreißig Jahren, die Kommunalwahlen, jene zum Europäischen oder zum nationalen Parlament, ja ich habe auch Volksabstimmungen gesehen, aber noch keinen derartigen Betrug. Schwindel pflegen vorzukommen, das sind auch keine schönen Dinge, doch das ist kein Schwindel, wenn man also die Daten von hunderttausenden von Menschen auf illegale Weise besorgt und danach ihnen politische Botschaften sendet, ohne dass die Menschen dem zugestimmt hätten, das ist nicht nur Wahlbetrug, sondern das wirft auch die Frage der Freiheit auf. Wer verfügt über Informationen über mich, wer hat sie gesammelt, wie hat er sie gesammelt, wer hat sie ihm gegeben, wer hat hierzu seine Erlaubnis gegeben, wohin hat man sie gebracht, man hat sie ins Ausland gebracht, werden sie von dort zurückgeschickt? Ich glaube also, die Juristen werden nach den Wahlen genug zu tun haben, denn das ist ein orbitaler Wahlbetrug, eine sehr schwerwiegende Rechtsverletzung, die bis ins Letzte untersucht werden muss.

Ja, aber ist es nicht gerade die Opposition, deren Mitglieder seit Monaten darüber reden, und sich mit Vorliebe in ausländischen Blättern äußern, dass hier in Ungarn sich die Regierungspartei auf einen organisierten Betrug vorbereitet, die Wahlen nicht sauber sein werden? Ich weiß schon gar nicht mehr, wie viele Hunderte OSZE-Beobachter es gibt und auch nach Ungarn kommen werden…

Eine Armee ist schon hier. Wir sehen sie im Übrigen gerne, so etwas tut dem ungarischen Tourismus im Übrigen gut, doch es kommen so viele, dass man mit so vielen Soldaten einen Krieg gewinnen könnte. Schauen Sie, seit zwölf Jahren erlebte die ungarische Linke eine Niederlage nach der anderen. Wenn wir dazu noch hinzuzählen, dass wir sie auch schon 1998 einmal besiegt haben, dann kann ich verstehen, dass sie aus dem Ausland auf Hilfe hoffen. Sie machen also irgendetwas nicht gut, es ist nicht meine Aufgabe, mit dem Kopf der Linken zu denken, doch haben sie sich in eine Lage manövriert, in der sie nur von außen auf Hilfe hoffen können. Und jetzt geht es hier um sehr viel, denn darüber haben wir hier ja schon gesprochen, im Endspurt des Wahlkampfes, doch ist es eine ganz ungewohnte Erscheinung, was auch der Ministerpräsidentschaftskandidat der Linken zugegeben hat, dass sie ein Wahlbündnis geschaffen haben, in dem sowohl die faschistische Richtung als auch die kommunistische Richtung ihre Selbständigkeit bewahrt hat. Was bedeutet, dass sie ein ganz unnatürliches Bündnis geschaffen haben, sie alles aufgegeben haben, moralisches und politisch wichtiges Maß und Identität, vielleicht auch die Ehre, es ist also ein Bündnis zustande gekommen, das immer schon ein einziges Ziel hatte, nämlich dass sie an die Macht können sollen. Und wenn sie jetzt nicht gewinnen, wenn also nicht einmal der Erfolg dieses Bündnis nachträglich erklärt und bestätigt, dann werden dort sehr ernsthafte Fragen zum Vorschein treten, die hinsichtlich der Zukunft der gesamten Linken spannende Fragen sein werden. Dies ist nicht meine Sache, ich will mich da auch nicht einmischen, doch ist es für jede ungarische politische Partei eine große Lehre, dass man die Ehre, das Programm, die geistige Richtung, die Identität nicht aufgeben darf, nur um an die Macht zu kommen, und Du darfst Dich nicht mit Kräften, mit Antisemiten und Kommunisten und Rechtsradikalen verbünden, mit denen im Übrigen Deine Ansichten unvereinbar sind, und die Deiner Heimat nur Unheil bringen. Das wird eine große Lehre für uns alle sein.

Wie kann man das damit vereinbaren, dass während sie in einem fort darüber reden, dass die demokratischen Rechte in Ungarn verletzt würden, wenn nicht sie an der Macht sind?

Sie können ja schließlich doch nicht sagen: „Schauen Sie, wir sind ungeschickt, wir haben es schlecht gemacht, unser Programm ist nicht gut, wir haben es verfehlt.“ Man sucht also irgendeine Erklärung dafür, wer schuld ist. Und es gibt sehr wenige Menschen in einem Land, die auf diese Frage zu antworten pflegen: „Nun, ich bin schuld.“ Wir können dies auch von der Linken nicht erwarten, selbst wenn dies so sein sollte. Doch meiner Ansicht nach, was jetzt aus der Perspektive des Landes wichtig ist, das ist nicht die Zukunft der Linken, sondern jene des Landes, und die hängt von der Frage Krieg und Frieden ab. Wir müssen verhindern, in diesen Krieg hineingezogen zu werden. Ich kann es nur wiederholen, dass dies nicht unser Krieg ist, die Linke sagt vergeblich, dies sei unser Krieg, das ist nicht so, das ist nicht unser Krieg, wir müssen davon verschont bleiben, und wenn wir wollen, dass das Land weiter aufgebaut wird, dann brauchen wir den Frieden. Der Friede bedeutet Aufbau, und der Krieg bedeutet Zerstörung.

Das steht auf dem Spiel?

Mehr stand noch nie bei einer Wahl in Ungarn auf dem Spiel, jedenfalls nicht in den vergangenen dreißig Jahren, seitdem auch ich selbst die Wahlen sehe. Die Wahlen waren immer wichtig, doch dass wir über das Hineingleiten in einen Krieg oder die Frage eines mit dem vollkommenen Stehenbleiben der Wirtschaft drohenden Energieembargos bei einer Wahl entscheiden sollen, dafür hat es noch kein Beispiel gegeben, wir müssen uns also wirklich zusammenreißen. Ich wünsche einem jeden Zuhörer, dass er den Ernst der Situation verspürt, die Schrecken, die Gräuel, die Ungarn drohenden Konsequenzen des Krieges sieht. Setzen wir uns für unsere Heimat ein, schützen wir Ungarn und schützen wir den Frieden.

Vielen Dank! Sie hörten Ministerpräsident Viktor Orbán.